Ein Jahr in Nordamerika

mein Freiwilligendienst in Stanton Home

04Juli
2017

Familie Pape wieder vereint... und ab in den Urlaub!

Hallo meine Lieben,

Heute möchte ich euch gerne von meinem Wiedersehen mit meiner Familie erzählen und von dem wunderschönen Urlaub, den wir zusammen verbracht haben.

Endlich hat sich all das Warten und Hinfiebern auf diesen besonderen Tag gelohnt. Am Morgen des 5. Juni durfte ich endlich meine Familie wieder in den Armen halten! Ursprünglich war geplant, dass wir uns bereits am 4. Juni (Sonntag) treffen, aber wegen den Komplikationen die es auf ihrer langen Reise hier her gegeben hat, und davon gab es leider einige, mussten wir uns dann alle noch einen Tag länger gedulden. Aber dann war es soweit. Ich war so aufgeregt und es hat sich alles sehr unrealistisch für mich angefühlt, als ich die große Halle der Grand Central Station betreten habe. Spätestens als dann aber wie aus dem Nichts Sophia angerannt kam und mir in die Arme gesprungen ist, wusste ich, dass sie wirklich hier sind.

  Uuuuuund Aufprall! <3 

Nach einem tränenreichen Wiedersehen, ging es dann erst mal klassisch amerikanisch Frühstücken. Und mir war schon bewusst, dass das sehr komisch für meine Familie wird, weil die Amis einfach eine ganz anders essen, als wir in Deutschland. Das beispielsweise alles auf Plastiktellern und mit Plastikgeschirr angerichtet wird, oder auch die Art und Weise, wie die Amis hier Dinge zubereiten, von denen wir Deutsche einfach wissen, dass das alles so viel besser schmecken könnte. Jedenfalls hat unser gemeinsamer Urlaub dann damit angefangen, dass wir New York City unsicher gemacht habe. Für mich war es ja bereits das dritte Mal, dass ich Urlaub in New York City gemacht habe. Trotzdem war es diesmal natürlich eine ganz andere Situation. Und drei mal dürft ihr raten wer gar nichts dagegen hatte, die Statue of Liberty nochmal zu sehen, oder nochmal die Aussicht vom Rockefeller Center genießen zu dürfen. Neu für mich war das Hochfahren auf das Empire State Building und auch das National Museum of Arts habe ich das erste Mal von innen gemeinsam mit meinen Eltern sehen dürfen. Gewohnt haben wir in einem echt "schnuckeligen" (in Mamas Ausdrucksweise) Apartment, dass, bis auf die Qualität der Betten, richtig gemütlich war. Einige Male habe ich mich dabei ertappt zu realisieren, wie abgefahren das eigentlich ist, dass meine Familie mich einfach mal in Amerika besuchen kommt. Was wir in NYC alles erlebt und gesehen haben, könnt ihr unten anhand der Bilder sehen.

1. amerikanische Frühstück für meine FamilieThe Metropolitan Museum of Art Central ParkGuggenheim MuseumTimes SquareZwei typische Touristen

Auf der Spitze des Rockefeller Center mit Blick auf das Empire State Building One World Trade Center 9/11 Memorial Auf dem Weg zur Statue of Liberty Keine Ahnung was wir da machen... aber schöne Skyline im Hintergrund! Da isse Gebräunte Mama und Käse Tochter Empire State Building und von oben Und dann gings weiter nach Boston...

Nächstes Urlaubsziel war dann Boston. Dort haben wir uns alle auf eine ganz besondere Begegnung gefreut und ar mit Mamas Cousine Susanne und ihrem Freund Bryan, den wir bereits letztes Jahr in Deutschland kennen lernen durften. Susanne lebt schon seit vielen Jahren in Boston und entsprechend sehen wir uns nicht oft. Deswegen war es umso schöner, sie jetzt mal in ihrem Zuhause zu treffen. Gemeinsam sind wir dann an einem Abend am Hafen von Boston Essen gegangen und am nächsten Tag sind wir zusammen zu einem total "schnuckeligen" (da haben wirs wieder) Hafenstädtchen gefahren. Rockport heißt dieser kleine Ort, der wirklich total einladend war, mit vielen kleinen, malerischen Hütten, sodass man entlang der Hafenpromenade ein bisschen herum schlendern konnte.

Auch in Boston selbst haben wir uns natürlich alles angeguckt, was man gesehen haben muss, und wie immer habe ich festgestellt, dass Boston im Vergleich zu NYC einfach so viel entspannter ist. Ich weiß, dass es auch meiner Familie in Boston besser gefallen hat. Trotzdem waren sie natürlich auch sehr beeindruckt von NYC, keine Frage! Aber Boston ist einfach nicht so erdrückend, man muss nicht aufpassen, dass man in der Innenstadt umgerannt wird und es vergehen keine 20 Sekunden, in denen man keine Sirenen hört.

Harvard Universität Boston Boston's berühmteste Bücherei  Brunnen im Innenhof der BüchereiBoston's

Als drittes und ursprünglich letztes geplantes Reiseziel, stand dann meine Heimat North Canaan und Great Barrington auf der Liste. Später in dieser Woche haben wir dann noch eine relativ verrückte und sehr spontane Entscheidung gefällt, die uns nochmal woanders hin gebracht hat, aber dazu später mehr.

Hier bei mir Zuhause wurden dann natürlich erst mal alle wichtigen Plätze und Häuser von mir vorgestellt. Das erste was meine Eltern und Sophia gesehen haben, war die Farm. Ich wohne zwar nicht an der Farm, trotzdem hat es mich stolz gemacht, meine Familie dort herum zu führen, weil ich weiß, wie viel Glück ich habe, dass ich an so einem wunderschönen Ort tagsüber arbeiten darf. Natürlich gab es auch eine Führung durch das Haus wo ich lebe, und sogar ein gemeinsamen Tee Nachmittag mit meinen Mitbewohnern Lily, Sandra und Marley und Lisa, meiner Hausmama.

Bistro Box- ein Muss wenn man lecker amerikanisch essen möchte  Meine Lieblingswasserfälle in der Gegend

Im Laufe der Woche, die wir hier gemeinsam verbracht haben, und in denen meine Eltern immer mehr und mehr von meinen Lieblingsmenschen hier kennen lernen durften, hat sich dann doch immer mehr der Wunsch breit gemacht, die Niagara Fälle noch anzugucken. WIr hatten im Vorhinein darüber geredet und uns dann aber eigentlich darauf geeinigt, dass es sich nicht lohnt, da die Fahrzeit immerhin 6 Stunden beträgt. Doch irgendwie wurden vor allem Mama und ich den Gedanken nicht los, wie schön es wäre, dort hin zu fahren. Und letzendlich haben wir uns dann doch dafür entschieden, für eine Nacht an die Grenze nach Kanada zu fahren. Sozusagen ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für mich und natürlich auch ein Geschenk für den Rest der Familie. Die Frage, ob es sich dann tasächlich gelohnt hat, so lange ins Auto zu sitzen, um einen Nachmittag und einen Abend dort zu verbringen, kann ich auf jeden Fall mit Ja beantworten. Aber sowas von!!! Es war überwältigend. So kann man das Ganze gut zusammenfassen. Jeder von uns hatte bisher immer nur von diesem Naturwunder gehört und Bilder gesehen, aber wenn man dann mal direkt davor steht, dann ist das schon echt der Wahnsinn! Und nicht nur von oben haben wir die Fälle gesehen, wir hatten sogar noch das Glück, auf einem Boot geradezu in die Fälle rein zu fahren. Das war sooo toll! Wir wurden ziemlich nass, wie ihr unten auf den Bildern sehen könnt, was sehr erfrischend bei dem warmen Wetter war.

Die Gischt war wild Auf dem Boot Nasse Pudel

Ja und dann hieß es für meine Eltern auch bald wieder Abschied zu nehmen. Dieses Mal ist mir das aber wirklich nicht schwer gefallen, weil ich weiß, dass ich sie in circa 6 Wochen (jetzt sind es nur noch fünf) schon wieder sehen werde. Dann aber auf deutschem Boden!

Der Gedanke an Zuhause verursacht schon so ein aufgeregtes Kribbeln in mir, weil ich es gar nicht mehr abwarten kann, wieder nach Hause zu kommen. Natürlich verdränge ich den Gedanken, dass ich hier Tschüss sagen muss, aber ich muss sagen, dass ich mich hauptsächlich einfach auf die Heimreise freue. Zumindest so der jetzige Stand. Mal gucken wie das in 4 Wochen aussieht...

Wie einige von euch wissen, hatte ich ja vergangenen Sonntag Geburtstag und ich hatte einen wirklich schönen Tag. Begonnen hat dieser mit leckeren Pfannkuchen und selbstgemachtem Rhababer Kompott, Rhababerkuchen und meinem Lieblingsmensch Fabienne, die das alles für mich gemacht hat. Nachdem ich dann noch eine gute Stunde mit Mama, Papa und Sophia geskyped hatte, sind Fabienne und ich dann lecker Mittagessen gegangen und zwar in einer Schweizer Hütte. Ja, die Amis wissen, wo es gutes Essen gibt, und versuchen das so gut es geht zu kopieren. Jedenfalls gab es dann für Fabienne und mich Rösti mit Schnitzel und Gemüse, und das war so lecker! Später dann sind wir zusammen mit Nolan und seinem Bruder an einen See gefahren, um uns ein bisschen abzukühlen und als grönenden Abschluss gab es Abends noch eine Überraschungsparty in einer alten Scheune, mit allen Menschen die ich lieb habe. Ich hatte also einen wirklich tollen 20. Geburtstag und ich bin sehr dankbar für all die Menschen, die diesen Tag besonders für mich gemacht haben.

Das wärs dann für heute gewesen. Ich hoffe ihr hattet Spaß, den Blog zu lesen.

Habt ein schönes Wochenende!

Eure Theresa

30Mai
2017

Besuch aus Deutschland, Prom Night und Vorfreude auf die Heimat

Hallo meine lieben Blogleser,

wieder einmal habe ich euch etwas länger warten lassen, aber jetzt freue ich mich umso mehr, euch auf den Neusten Stand zu bringen.

Meinen letzten Blogeintrag habe ich damit abgeschlossen, dass ich euch von unserem Start in die Grillsaison erzählt habe. Damals habe ich von einigen von euch die Rückmeldung bekommen, dass es bei euch noch überhaupt nicht sommerlich war, und ihr ganz neidisch seid, dass ich sogar auf vielen Bildern bereits ein Tshirt trage. Tja... das war auch wirklich schön, damals... denn jetzt aktuell sind wir gefühlt wieder im März. Das Wetter hat total umgeschwungen und es ist die meiste Zeit wolkig und es regnet wirklich viel. Vor drei Wochen war es mal richtig heiß, aber das hat nicht lange angehalten. Na ja, ich bekomme ja immerhin viele sonnige Bilder aus Deutschland zugeschickt, denn wie es aussieht, habt ihr jetzt das schöne Wetter. Ich bin mir aber sicher, dass es hier auch bald wieder schön wird.

An einem besonderen Tag, vor einigen Wochen, war das Wetter aber mindestens genauso perfekt wie der Anlass. Mein Freund Nolan hatte mich bereits Ende letzten Jahres gefragt, ob ich gerne mit ihm zum Prom, also zu seinem Abschlussball, gehen möchte. Da habe ich natürlich nicht lange überlegt! Lange haben wir dann auf diesen Tag hingefiebert und jetzt war es Anfang Mai endlich soweit. Mama hat mir extra mein Abschlussballkleid von Deutschland geschickt, sodass ich das nochmal tragen konnte und hier nicht auf Kleider Suche gehen musste. Und da der Prom hier schon ein größeres Event ist als in Deutschland, wurden dann sogar meine Haare und mein Make Up gemacht. Zwar "nur" von Lisa (Nolans Mama) und Magda, eine unserer deutschen Freiwilligen hier, trotzdem habe ich mich sehr komisch gefühlt, weil ich es nicht gewohnt bin, die Prinzessin zu spielen und mich in der Rolle auch nicht wohl fühle. Trotzdem habe ich versucht mich zu entspannen und es einfach zu genießen und natürlich ist es toll, später viele Komplimente für das Outfit zu bekommen. Als Nolan und ich dann beide gerichtet waren, sind wir zur Farm gefahren, um dort ein paar Bilder im Garten zu machen. Denn auch das ist eine super wichtige Sache hier am Prom Tag: Millionen Bilder. Wie ihr euch sicher denken könnt, hat es nicht lange gedauert, und schon kamen alle Menschen, die zu dem Zeitpunkt an der Farm waren, nach draußen in den Garten. Das war wirklich komisch für mich. Natürlich kenne ich alle Leute dort und trotzdem habe ich mich wie auf einer Vorführbühne gefühlt. Als dann die Meute nach einiger Zeit wieder gegangen ist, habe ich mich entspannt und riesig gefreut, noch einige Bilder mit Maggie aufzunehmen, die Events wie diese liebt und selbstverständlich ein Teil davon sein möchte. Auch Sandra wollte noch ein Bild mit uns machen, und kam dafür extra nach draußen. Als dann endlich dieser Paparazzi Termin an der Farm vorbei war, sind Nolan und ich ganz schnell geflohen und haben noch spontan seinen Großeltern einen Besuch abgestattet. Es war total schön, sie kennen zu lernen und sie haben sich total über unseren Besuch gefreut. Anschließend ging es dann zur Location. Es ist ein wunderschönes, großes Gebäude, dass einem kleinen Schloss ähnelt. Auch dort wurden dann natürlich nochmal Bilder gemacht (Juhuu) und dann endlich konnten wir alle rein und uns an einen der schön geschmückten Tische setzen. Im Laufe des Abends gab es dann leckeres Abendessen, und anschließend wurde viel getanzt. Natürlich gab es auch den sogenannte "photo booth" als Event, was in einem kleineren Raum mit einer Leinwand im Hintergrund statt fand. Das war dann schon eher nach meinem Geschmack, weil man dort einfach Quatsch Bilder von sich machen lassen konnte, und es dort auch einige Utensilien gab, mit denen man sich schmücken, oder auch verunstalten konnte. Auch ein sehr amerikanisches Ritual ist die Wahl zum Prom Queen und King. Gewonnen hat die Beste Freundin von Nolan und ihr Freund, worüber wir uns ziemlich gefreut haben. Im Großen und Ganzen war es wirklich ein toller Abend und es war eine große Ehre für mich, als Deutsche, die hier nicht mal auf eine Schule geht, auf einen amerikanischen Abschlussball eingeladen zu werden.

   Sami <3 Nolan, Lisa und ich Maggie <3 Photo Booth Der Saal

Mein absolutes Highlight der letzten Tage war dann auf jeden Fall mein Besuch aus Deutschland!!! Und zwar kamen meine liebe Freundin Kathi und ihre Eltern Carmen und Nico mich hier in Amerika besuchen! Nachdem sie einige Verwandte hier besucht haben und sich NYC ausgiebig angesehen hatten, standen sie hier letzte Woche Samstag vor meiner Tür. Und das war das absolut tollste und unbeschreiblichste Gefühl und ich habe eine ganze Weile gebraucht, um zu realisieren, dass sie wirklich hier sind. Nach dem tränenreichen Wiedersehen, habe ich ihnen dann erst mal eine Haustour gegeben und anschließend sind wir noch zusammen Essen gegangen. Den folgenden Tag haben wir dann auch noch alle zusammen verbracht, bevor Carmen und Nico dann am Montag wieder abgereist sind. Es war ein wirklich sehr schöner Tag, den wir zusammen verbracht haben und der auch gut gefüllt war, da ich ihnen natürlich so viel wie möglich von der Gegend und meinem Arbeitsplatz zeigen wollte. Als Carmen und Nico dann abgereist sind, ist Kathi aber hier geblieben und noch für eine Woche mit mir in den Urlaub gefahren, und zwar nach Boston. Dort haben wir fünf Nächte verbracht und ich habe es einfach total genossen. Endlich konnte ich mal wieder Zeit mit meiner Kathi verbringen, die ich wegen ihrem FSJ, dass knapp nach dem Beginn meines FSJ aufgehört hatte, beinahe zwei Jahre nicht mehr gesehen hatte. Wir haben es total genossen morgens auszuschlafen und uns dann einfach den Urlaub so zu gestalten, wie wir das wollten. Anhand der Bilder könnt ihr sehen, wo wir überall waren. Ich würde behaupten, wir haben alles gesehen, was man sehen muss, wenn man in Boston ist und sogar noch mehr. Bevor Kathi dann wieder nach Hause geflogen ist, habe ich sie auch noch mit ein paar mehr von meinem Freunden hier bekannt gemacht und wir hatten ein schönes Abschluss Abendessen zusammen mit Nolan und Pooja. Zum Essen bestellt haben wir uns natürlich Burger. Aber nicht bei McDonalds (!), sondern in einem süßen Restaurant in Great Barrington. Der Abschied ist uns dann gar nicht schwer gefallen, da wir wissen, dass ich in zwei einhalb Monaten sowieso wieder zuhause bin.

Ganz viel Liebe! Sightseeing at Moses Meade Im Garten an der FarmJa ja, ich krieg die Augen wieder nicht auf   Bostons berühmteste Bibliothek Innenhof der Bibliothek Massachusetts Institute of Technology  Kleiner Spaziergang in Mittagessen in Boston  Boston von oben Boston State Houseder berühmte Freedom TrailDowntown BostonQuincy MarketHarvard UniversitätDie süßen Nebenstraßen in Boston

Jetzt sind es nur noch sechs Tage bis ich noch mehr Besuch aus Deutschland bekomme, und zwar von Mama, Papa und Sophia! Ich kann es gar nicht mehr abwarten, meine Familie ganz bald wieder im Arm zu halten! Wir werden uns kommenden Montag in NYC an der Grand Central Station treffen, was meiner Meinung nach die beste Kulisse weltweit, für ein solches Wiedersehen ist! Ich freue mich schon total!

Ansonsten ist hier eigentlich alles wie immer, der Alltag hat uns voll im Griff und wann immer ich einen freien Tag haben, versuche ich ihn so gut wie es geht auszunutzen. Ich weiß, dass das Jahr bald zu Ende gehen wird, und natürlich möchte ich noch nicht daran denken, aber das ist unvermeidbar. Und dennoch freue ich mich auch schon riesig auf Deutschland und alle Menschen, die ich dann endlich wieder sehen werde. Da wird noch ein Gefühlschaos auf mich zukommen, wenn es dann wirklich zurück geht...

Bis dahin, ich wünsche ich euch eine tolle Zeit, fühlt euch umarmt,

eure Theresa

25April
2017

Ein Lebenszeichen von mir!

Hallo ihr Lieben,

 

lange ist es her, dass ich mich bei euch gemeldet habe. Das liegt nicht nur daran, dass ich (ehrlich gesagt) meinen Hintern nicht hoch bekommen habe, um mich an den Laptop zu setzen, sondern auch, weil es mir gesundheitlich schon mal besser ging... Ich kämpfe seit Oktober letzten Jahres schon mit einigen Symptomen, wie z.B. mit einem Tinnitus in meinem linken Ohr, Hörverlust auf dem selben Ohr und eingeschränktem Sehvermögen. Laute Musik ist für mich mittlerweile ein No-Go, da das Piepen dann noch lauter wird und mir dann auch das Ohr weh tut. Auch Geschirr klappern, die Klimaanlange im Auto oder zu laute und grelle Stimmen, lösen das selbe mit mir aus. Generell fühle ich mich auch manchmal wackelig auf den Beinen und ich bin sehr oft müde. Lange Zeit war nicht klar, was mit mir los ist. Bis ich dann erst vor ein paar Wochen eine größere Blutabnahme hab machen lassen, die dann ergeben hat, dass ich eventuell an Borreliose erkrankt bin. Ganz sicher kann man sich da aber nicht sein, da der Test kein eindeutiges Ergebnis gebracht hat. Das liegt daran, dass es viele verschiedene Arten von Borreliose gibt. Gestern erst habe ich einen neuen Arzt gesehen, der mir Mut gemacht hat, indem er gesagt hat, dass es sich eventuell gar nicht um Borreliose handelt. Ein Tinnitus beispielsweise wird nämlich normalerweise nicht durch Borreliose verursacht. In meinem Laborbericht von der Blutabnahme hat er dann auch noch gelesen, dass ich einen Kaliummangel habe. Um sicher zu gehen, dass das stimmt, wurde mir nochmal Blut abgenommen. Manchmal schwankt der Gehalt von Kalium in unserem Körper nämlich, und das wäre dann nicht untypisch, dass ich ein bisschen zu wenig in meinem System hatte. Dieser Kaliummangel könnte den Tinnitus tatsächlich ausgelöst haben- das ist jetzt zumindest die Vermutung des Arztes. Jedenfalls war dieser Arzt sehr fachkundig und ich habe mich bei ihm wohlgefühlt. Auch, weil er sich mich komplett angeschaut hat und nicht nur auf den Tinnitus und die eventuelle Borreliose eingegangen ist. Ganz genauso macht es auch mein Hausarzt in Freiburg.

Jetzt hoffe ich natürlich, dass diese ständige Unsicherheit und Eingeschränktheit, die mich schon belastet, bald vorbei ist und ich dann irgendwann mal wieder ganz ohne diese Symptome leben kann.

Soviel zu meiner Gesundheit, aber natürlich sind hier in den letzten Wochen auch noch andere Dinge passiert. Ich fange direkt mit etwas sehr aufregendem an. Und zwar musste unser Haus evakuiert werden. Eine unserer Freiwilligen hat plötzlich ein komisches Geräusch in der Heizung wahrgenommen. Als unsere Hausmama Lisa dann nach unten in den Keller gegangen ist, war es dort schon heiß wie in einer Sauna, die Fenster waren beschlagen und eine riesige Wasserpfütze hatte sich ausgebreitet. Da nicht sicher war, ob eventuell irgendwelche Dämpfe austreten, die wir lieber nicht einatmen sollten und die Heizung offensichtlich auch kaputt war, durften wir die Nacht nicht im Haus schlafen. Zufälligerweise hat der Chef von Stanton Home gerade zwei Tage vorher den Vertrag für ein neues Haus unterschrieben, indem bald neue residents leben werden. Und genau in diesem Haus haben wir dann alle übernachtet. Zwar waren da noch gar keine Möbel drin, aber immerhin lagen schon einige Matrazen auf dem Boden und Decken konnten wir uns von der Farm ausleihen. Letztendlich hat alles ganz gut funktioniert, trotzdem war es eine sehr aufregende Nacht. Aus einem Haus evakuiert zu werden, mit einer Autistin und einer Epileptikerin ist nicht einfach, das steht fest. In dem ganzen Stress wurden natürlich auch noch ausgerechnet die Medikamente für Marley vergessen, die sie bekommt, wenn sie einen großen epileptischen Anfall hat. Daher sind Lisa und ich um zehn Uhr nachts nochmal zurück ins Haus nach Connecticut gefahren, um schnell die Medikamente raus zu holen. Lily dachte, wir machen Urlaub, jedenfalls war sie glücklich und hat gelacht, als wir sie in ein fremdes Bett zum Schlafen gelegt haben. Am nächsten Tag waren dann Arbeiter im Haus und haben sich um die Heizung gekümmert, sodass wir die kommende Nacht wieder in unseren eigenen Betten schlafen konnten.

 

Fabienne und ich hatten uns dann letzte Woche ganz spontan dazu entschieden, für eine Nacht nach NYC zu fahren. Da die Fahrzeit ja wirklich nur drei einhalb Stunden beträgt, kann man da auch mal übers Wochenende hinfahren. Und das tat uns beiden wirklich gut. Es war eine schöne Auszeit von allem und wir haben uns natürlich schon damals, in unserem ersten Urlaub, in diese Stadt verliebt. Das Wetter hat mitgemacht und wir konnten mit Blick auf die Statue of Liberty die Sonne genießen. Außerdem hatten wir uns dazu entschlossen, jetzt doch mal auf das Rockefeller Center hoch zu gehen. Es ist nicht billig, um genau zu sein kostet es 35$ pro Person, und trotzdem lohnt es sich einfach, NYC in der Nacht mal von oben zu sehen. Das ist meiner Meinung nach schon ein Muss, allerdings ein teures Muss. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, habe ich wirklich eine tolle Handykamera, denn die Bilder, sind alle mit meinem Handy entstanden. (Ja, da musste ich jetzt kurz angeben...) Außerdem waren wir noch auf Coney Island und dort habe ich meine erste amerikanische Achterbahn ganz knapp überlebt.

Coney Island Battery Park NYC bei Nacht Mein Lieblingsbild! Wir zwei on top of the world- mit dem Empire State Building im Hintergrund Sonne genießen mit Blick auf die Statue of Liberty Times Square

Vorletzten Freitag haben wir an der Farm die Grillsaison eröffnet und da durfte natürlich ein Gruppenbild nicht fehlen. Lily wollte, wie ihr sehen könnt, eher nicht aufs Bild. :-D Sie findet Fotos nicht so toll. Selfies sind okay, aber sobald sie irgendwo kurz ruhig stehen muss, rennt sie lieber weg, oder läuft wie üblich ihre kleinen Kreise auf der Stelle. Wie viele Leute könnt ihr auf dem Bild erkennen? Es sind sicherlich auch neue Gesichter dabei, die ihr noch nicht kennt...

Family <3 Lisa und ihre vier Freiwilligen :-) Die Japaner sind zurück in Japan.

Ich hoffe, euch geht es allen gut und ich freue mich schon total, dass es bald wieder nach Hause geht.

Der nächste Blogeintrag wird kommen! Ich wollte heute nur sicher gehen, dass ihr ein Lebenszeichen von mir erhaltet.

Fühlt euch alle umarmt,

eure Theresa

 

 

 

 

28Januar
2017

Update zu meinen Schützlingen

Hallo zusammen,

wie versprochen lasse ich euch diesmal nicht so lange warten, und veröffentliche den nächsten Blogeintrag früher als ihr hoffentlich erwartet.

Dieser Eintrag soll von den Menschen handeln, mit denen ich hier am meisten Zeit verbringe. Die mich jeden Tag herausfordern, mich aber auch tagtäglich zum Lachen bringen. Seit dem letzten Blogeintrag, der von unseren residents gehandelt hat, ist einige Zeit vergangen. Mittlerweile ist einer unserer residents verstorben, und zwei neue residents sind jetzt ein Teil von Stanton Home. Da ich das Gefühl habe, dass einiges nicht mehr ganz richtig ist, was ich damals geschrieben habe (und vor allem ist vieles unvollständig), möchte ich euch hier ein Update geben, sodass ihr besser Bescheid wisst, mit wem ich zusammen arbeite. 

Mittlerweile umfasst Stanton Home vier Häuser, und nicht mehr nur noch drei. In dem vierten Haus lebt eine der neuen residents: Emma. Sie ist ähnlich wie unsere Sandra eine junge Frau, mit einer wenig einschränkenden Behinderung. Sie ist sehr selbstständig und braucht lediglich Hilfe, wenn es darum geht, ein angemessenes Gesprächsthema zu finden. Ja ihr habt richtig gelesen. Emma ist nämlich ziemlich gut darin, über unangemessene Dinge zu reden, besonders wenn gerade keiner von den erwachsenen Mitarbeiterin in der Nähe ist. Da muss sie dann daran erinnert werden, dass es nicht in Ordnung ist, über Dinge wie beispielsweise Ritzen, Alkohol oder auch ihre Jugendsünden zu sprechen. Ich habe Emma aber wirklich gerne, und sie hat sich bereits sehr verändert, seitdem sie in Stanton Home lebt. Als sie im Herbst kam, hat sie sich völlig fehl am Platz gefühlt, weil sie es nicht einsehen wollte, dass sie nun ein resident von Stanton Home ist. Mittlerweile liebt sie es, hier zu wohnen und sie hat alle Menschen, mit denen sie lebt und arbeitet, sehr gerne. Emma liebt es zu singen, und hat auch wirklich eine ganz gute Stimme. Außerdem kocht sie gerne, redet ohne Punkt und Komma und macht gerne Frisuren, wie ihr unten auf dem Bild sehen könnt.

In diesem Haus lebt zusammen mit Emma noch unsere Vicki. Als ich meinen letzten Blogeintrag über die residents veröffentlicht habe, lebte Vicki noch in einem anderen Haus. Doch als Emma kam, ist Vicki umgezogen. Vicki ist, wie ihr schon wisst, dafür bekannt, dass sie alles immer eine Spur zu schnell erledigt. Das gilt für Gemüse schneiden, essen, trinken, Bücher durchblättern und auch reden. Aber ich habe sie so gerne, einfach weil sie mich jedes Mal wenn ich sie sehe, zum Lachen bringt. Wenn du sie begrüßt, sagt sie "Hi, Hi, Hi" dreimal ganz schnell hintereinander. Wenn sie ganz plötzlich anfängt zu lachen, und du sie fragst, was so lustig ist, antwortet sie: "Something, something", wieder ganz schnell hintereinander. Einer meiner Favoriten ist aber ihre Art, das Gebet vor dem Essen zu sagen. Jeder unserer Residents hat seine eigene Art und Weise, das Gebet zu sagen. Und bei jedem resident sind es immer mehrere Sätze hintereinander. Nicht bei Vicki. Sie ist wie Lily immer hungrig und deshalb lautet ihr Gebet einfach nur "May the meal be blessed". Und das müsst ihr euch jetzt wieder ganz schnell vorgetragen vorstellen. Um ehrlich zu sein, sind wir alle aber immer dankbar, wenn Vicki mit dem Gebet dran ist, denn dann können wir früher anfangen zu essen. :-D

Soviel zu den zwei Bewohnern unseres neuen Hauses von Stanton Home.

In dem nächsten Haus lebt nach wie vor Jarrid. Der zweite Bewohner dieses Hauses, Jim, ist vor einigen Wochen an einer Erstickung beim Essen verstorben und erst seit wenigen Wochen lebt jetzt Ryan zusammen mit Jarrid in diesem Haus. 

Jarrid habe ich, soweit ich mich erinnere, im letzten Blog nicht so ausführlich beschrieben können, da ich zu diesem Zeitpunkt fast nichts über ihn wusste. Mittlerweile hat sich das geändert und ich würde Jarrid als einen super lieben, humorvollen und aufgeweckten jungen Mann beschreiben. Jarrid geht drei Tage die Woche zur Schule, doch Freitags habe ich das Glück, mit ihm zusammen arbeiten zu können. Jarrid ist seit Silvester mit Emma zusammen (ist das nicht super süß???), er ist immer sofort zur Stelle, wenn irgendwo etwas repariert werden muss, ist ein richtiger Gentleman, wenn es darum geht, etwas schweres zu tragen oder die Tür aufzuhalten und liebt es, viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Besonders am Esstisch verlangt er danach, wenn er Mal wieder verweigert zu essen. Das kommt relativ häufig vor und er sagt jedes Mal er hat keinen Hunger, ich denke aber eher, dass es etwas mit seiner Figur zu tun hat. Die aber wirklich total in Ordnung ist! Er hat schon so viel abgenommen, seitdem er ein resident von Stanton Home ist. Jarrid hat Probleme mit seinem Gleichgewicht, deshalb kommt es öfters Mal vor, dass er irgendwo dagegen läuft oder stolpert. Außerdem wurde erst kürzlich heraus gefunden, dass er auf einem Auge nichts sehen kann. Im Großen und Ganzen ist Jarrid jedenfalls ein super lieber Kerl, den man wirklich nur lieb haben kann.

 

Unser neuer resident ist da schon ein bisschen anders gestrickt. Sein Name ist Ryan und er ist wirklich ganz neu in Stanton Home. So richtig viel über ihn sagen kann ich deshalb noch nicht, aber fest steht, dass er sehr viel Betreuung braucht. Und das liegt nicht daran, dass er nicht selbständig ist, sondern daran, dass er bisher in seinem Leben absolut noch keine Erziehung genossen hat. Und das ist jetzt erstmal eine große Herausforderung für uns in Stanton Home. Beispielsweise hat er überhaupt keine Tischmanieren, und falls er keinen Grund sieht, dir zuzuhören, dann macht er das einfach nicht. Außerdem hat er in seiner Vergangenheit so viele Videospiele gespielt, dass er teilweise Realität und Fiktion vertauscht. Er braucht wahnsinnig viel Aufmerksamkeit, und bleibt dann während einem Spaziergang auch gerne 5 Mal stehen, einfach um seine Brille zu putzen, sodass die restlichen 10 Leute auf ihn warten müssen. Das ist schon nervenaufreibend, aber ich bin mir sicher, dass sich das alles einpendeln wird mit ihm. Außerdem tut er mir auch ein bisschen Leid, da er jeden Tag, manchmal mehrmals täglich, bei uns anruft, da ihm, nachdem das Day Program an der Farm zuende ist, immer langweilig ist und er sich einsam fühlt. Es kam sogar schon vor, dass er die Notrufnummer 911 oder die Feuerwehr angerufen hat. Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir immer dran gehen, falls er anruft, und wenn es nur ein kurzer Smalltalk über den Tag ist. Was ich auch noch über Ryan gelernt habe ist, dass er ein riesengroßer Fan von Wölfen ist. Wie ich gehört habe, spricht seine Zimmerdekoration da Bände. Deshalb liebt er auch Hunde über alles und verhält sich manchmal selbst wie ein Wolf, indem er die Geräusche von sich gibt, die ein Wolf macht, oder wild durch die Gegend rennt.

Als nächstes wäre dann da das Haupthaus, also die Farm, wo wir immer zum Day Program von 9-15 Uhr unter der Woche hingehen. Justin, John, Lisa und Maggie sind nach wie vor die Bewohner dieses Hauses.

Justin begrüßt mich, wie ihr ja schon wisst, immer mit "Te Te aaah". Das ist sehr süß und ich freu mich jedes Mal ihn zu sehen. Was seine Vorlieben angeht, hat sich nichts geändert. Er rastet jedes Mal aus vor Freude, wenn er ein Paket mit neuen Automagazinen zugeschickt bekommt. Diese Freude äußert sich dann in einem Mix aus ziemlich hohen Tönen, die er als eine Art glücklichen Schrei von sich gibt. Nach wie vor zeigt er mir jeden Tag mit Hilfe der Gebärdensprache, dass er weiß, welches Auto ich in Deutschland fahre. Dazu flüstert er "Ford" (das kann er aussprechen) und zeigt dazu fünf Finger hoch, was die Anzahl der Gänge beschreibt. Das kann er individuell für jede Person machen, die ihm erzählt hat, welches Auto er oder sie fährt. Ziemlich beeindruckend meiner Meinung nach. Ich ärgere Justin manchmal, indem ich seine Cap falsch herum auf seinen Kopf setze und ihm sage, er soll mal den Gangster Style ausprobieren. Er lacht dann immer und dreht sie aber sofort wieder um und so haben wir ein Spiel erfunden. Ab und zu ziehe ich sie auch an und er holt sie sich dann wieder. Eines seiner Lieblingsbeschäftigungen ist auch noch, anderen Menschen mitzuteilen, dass sie stinken. Und das geschieht, egal ob die Person gerade frisch aus der Dusche kam oder nicht. Er hält sich dann die Nase zu und zeigt danach auf dich. Ich werfe ihm dann immer gespielt verletzt vor (dabei muss ich mein Grinsen zurück halten), dass ich vor der Arbeit geduscht habe und das nicht wahr sein kann. Er behaart aber darauf und findet das super lustig. Irgendwann werfe ich ihm dann vor, dass ich erst vor ein paar Minuten mit ihm im Badezimmer war, und da war er dann ganz klar der Stinker. Oder ich mache mir mit anderen Leuten den Spaß daraus, vor Justin, das mit dem Stinken jeweils auf den anderen zu schieben. So haben wir immer sehr viel zu Lachen, und das ganz ohne viel Reden. 

Lisa habe ich damals als eine sehr süße, und humorvolle Person beschrieben, die sehr umgänglich ist. Und das stimmt auch nach wie vor! Nur hat sie manchmal auch ihre Momente, in denen ihr was nicht passt, und sie dann ganz schnell ganz schön sauer werden kann. Gründe dafür wären dann zum Beispiel zu viel Salat zum Essen, kein Filmeabend am Wochenende oder wenn einer von den Mitarbeitern krank ist, und nicht zur nächsten Party kommen kann. Sie ist dann entweder sehr verletzt und fängt an zu weinen oder sie wird sturköpfig und verweigert, auf ihre Leute zu hören. Lisa ist es sehr wichtig, dass Harmonie in der Farm herrscht und dass jeder gut zu jedem ist. Auf der anderen Seite kriegt sie sich aber auch manchmal ganz schnell mit Maggie in die Haare, falls die ihr Mal wieder zu viel redet. Dann werden die zwei zu richtigen Giftzwergen und schmeißen sich unschöne Dinge an den Kopf. Da muss dann immer einer von uns dazwischen, damit sie aufhören. Was ich damit sagen will ist, dass ich Lisa erst nicht so impulsiv eingeschätzt habe, und sie mich in der Hinsicht wirklich überrascht hat. Falls sie ihren Willen nicht kriegt, geht auch gut und gerne mal die Welt für sie unter. Trotzdem habe ich Lisa unglaublich gerne, und zu 80% der Zeit ist auch sie einfach nur eine super liebenswerte Person, die man am Liebsten ständig zum Lachen bringen möchte.

Als Update zu Maggie wäre dann eben auch nur zu sagen, dass sie manchmal mehr ausrasten kann, als ich erst erwartet hatte. Das passiert aber wie schon gesagt, wirklich nicht oft. Und wenn dann, wird sie kurz sauer und läuft dann aber noch während sie sauer ist aus der Streitzone heraus. Was ihr außerdem noch nicht wisst, ist, dass Maggie unsere Marley, die mit mir zusammen wohnt, über alles liebt. Jedes Mal wenn wir an der Farm ankommen, ist Maggie die erste, die Marley in die Arme schließt. Was total cool ist, denn die zwei kommunizieren irgendwie miteinander. Und das ist so beeindruckend, weil Marley ja nicht sprechen kann. Sie gibt zwar diese Töne von sich, aber sie könnte sich nie mit dir "normal" unterhalten. Aber wer sagt, dass es nicht auch unnormal funktionieren könnte? Und so erzählt uns Maggie dann immer, was Marley für verrückte Geschichten auf Lager hat. Meistens sagt Maggie aber nur, dass Marley ihr gesagt hat, dass sie Maggie liebt. Und es kann schon sein, dass Maggie sich das alles ausdenkt, aber ich glaube daran, dass da was zwischen diesen beiden läuft, was keiner außer ihnen verstehen kann. Beim Essen, wenn Marley eine ihrer kleinen epileptischen Anfälle hat (dazu später mehr), die aussehen, als würde sie lachen, kann sich Maggie nie beherrschen und ruft laut lachend heraus: "Marley, you're cracking me up!" Und das heißt soviel wie, dass sie Maggie damit total zum Lachen bringt.

Und dann wäre da noch John. Meiner Meinung nach das Herz von Stanton Home, einfach weil er schon so lange dort wohnt und es sich ohne ihn nicht richtig anfühlen würde. John ist meistens ziemlich aufgekratzt und laut. Als ich ihn im Sommer kennengelernt habe, hatte er gerade seine ruhigen Tage, daher hatte ich in meinem Blogeintrag geschrieben, dass John sehr ruhig ist. Das ist aber nicht ganz richtig. Normalerweise gibt er nämlich immer irgendeinen Quatsch von sich, also zusammenhanglose Wörter, die absolut keinen Sinn ergeben. Still sein fällt ihm in diesen Tagen immer schwer. Ruhig wird er dann immer nach einigen Wochen, und das hält dann meistens auch nur für einige Tage an. In diesen Tagen ist es, als wäre er eine andere Person. Und so hatte ich ihn eben erst kennengelernt. Er spricht fast gar nicht, wirkt sehr in sich gekehrt und fast schüchtern. Ich habe den lauten Johnny auf jeden Fall lieber, auch wenn man wirklich aufpassen muss, dass er sich selbst nicht zu sehr hochschaukelt. Eines von Johnny's Aufgaben ist es, den Kompost raus zu bringen. Diesen Job hat er schon, seit er in Stanton Home lebt, also seit circa 30 Jahren und er macht es immer gerne, egal in welcher Stimmung er gerade ist. Falls er nach 10 Minuten immer noch nicht zurück ist, gehe ich normalerweise raus und suche nach ihm, da der Kompost nur zwei Minuten vom Haus entfernt, am anderen Ende vom Garten, ist. Meistens erwische ich ihn dann, wie er sich im Schneidersitz vor den Komposthaufen gesetzt hat, und dort dann die Teebeutel heraus sortiert. Das ist eine ziemlich eklige Angelegenheit, aber es ist ihm sehr wichtig, dass die Teebeutel dort nicht drin sind. Aufhalten kannst du ihn in diesem Punkt also nicht. John bringt regelmäßig mindestens zwanzig Menschen am Esstisch gleichzeitig zum Lachen, wenn er irgendein Wort, total aus dem Kontext gerissen, laut heraus ruft und somit jede andere Konversation kurz unterbricht. Das wird ihm aber nie übel genommen, weil es immer witzig ist, was er sagt. Gerne wiederholt er, was andere Menschen sagen.

Soviel zu den anderen Häusern. Und dann wäre da noch das Haus, in dem ich lebe.

Zu aller erst wäre da unsere Lily. Der Wirbelwind, der garantiert immer alle auf Trab hält, mit Sicherheit aber auch für die schönsten und lustigsten Momenten in unserem Haus sorgt. Nach mittlerweile knapp einem halben Jahr, seit dem ich hier lebe, habe ich schon ziemlich viel mit Lily erlebt und durchgemacht. Und es ist nicht immer leicht mit ihr. Für mich stellt sie von allen residents die wir haben, die größte Herausforderung dar. Das liegt vor allem daran, dass Lily manchmal aggressiv wird, wenn ihr etwas nicht in den Kram passt. Beispielweise wäre da die Badezimmer Situation. Ich möchte euch ein Beispiel geben, damit ihr verstehen könnt, was ich meine. Lily weiß nicht immer, wann es Zeit ist, aufs Klo zu gehen. Und so kommt es vor, dass Fabienne und ich sie mehr oder weniger ins Badezimmer schieben müssen, da sie sich ansonsten in die Hose machen würde (...was auch schon passiert ist). Wenn wir sie dann also wie auch immer ins Badezimmer befördert haben, ist sie meistens sauer und zeigt uns das dann wie folgt. Wenn wir Glück haben, dann fängt sie einfach nur an, auf ihren Unterleib zu klopfen, als Zeichen dafür, dass wir ihr nicht die Hose öffnen dürfen. Manchmal ist das aber nicht alles, und sie verzieht ihr Gesicht zu einer Grimasse und beißt sich in ihre Hand. Wenn sie handgreiflich gegenüber uns wird, dann läuft das so ab, dass sie uns ohne Vorwarnung attackiert. Sie macht das, indem sie uns an den Haaren zieht, uns in die Arme pfetzt oder an den Armen kratzt. Wir kommen also mit Kratzern und ein paar ausgerissenen Haaren davon, aber schön ist das natürlich trotzdem nicht. Das ich sie aber sehr lieb habe, stimmt auch nach solchen Situationen nach wie vor. Ich muss mich dann manchmal für ein paar Minuten zurück ziehen, aber meistens kann ich nicht anders, und verzeihe ihr nach ein paar Minuten (okay manchmal auch Stunden..) wieder. Man muss ja auch immer bedenken, dass sie sich uns einfach schwer mitteilen kann, da sie ja nicht sprechen kann. Das ist keine Rechtfertigung, um Menschen weh zu tun, manchmal aber für sie vielleicht auch einfach der einzige Ausweg, um uns zu zeigen, dass sie beispielsweise Bauchschmerzen hat. Zu der Liste der Sachen, die Lauren liebt, würde ich gerne noch ein paar Dinge hinzufügen, die aus meinem letzten Blog noch nicht hervor gekommen sind. Zum einen wäre da das Nägel lackieren. Sie liebt das und wenn wir das für sie machen, bleibt sie auch ganz ruhig sitzen und ist unglaublich geduldig. Diese Momente sind für uns immer kostbar, da sie ja normalerweise nie still sitzt. Dann liebt sie es auch, Lebensmittel in den Kühlschrank zu räumen, ihre Wäsche in die Waschmaschine zu schmeißen, beim Kochen in einem Topf herum zu rühren, oder männliche Besucher als Gast zu haben. Dadurch, dass wir ein reines Frauenhaus sind und Männer, durch die intime Pflege von Lily, nicht erlaubt sind, hier zu arbeiten, rastet Lily immer aus vor Freude, wenn wir dann mal eine männliche Person zu Gast haben. Es ist schon so, dass sie an der Farm während dem Day Program Männer um sich rum hat, aber das dann auch mal in ihrem Zuhause zu haben, ist dann schon noch mal was besonderes.

 

Eine von den zwei Mitbwewohnern von Lily ist, wie ihr vielleicht noch wisst, Sandra. Sandra ist ganz anders herausfordernd, als es Lily ist. Das liegt daran, dass sie high-functional ist, also wenig Unterstützung in ihrem täglichen Leben braucht. Anstrengend wird es aber dann, wenn Sandra schon früh morgens wissen möchte, was wir den Tag über für Pläne haben. Das ist deshalb anstrengend, weil sie immer Angst davor hat, sich zu langweilen. Wenn sie dann aber morgens runter kommt, und direkt der zweite Satz, nach dem Guten Morgen, beinhaltet, dass sie den ganzen Tag nichts zu tun hat, und ob wir den irgendwelche Pläne haben, dann muss ich mir schon manchmal ein Augenrollen verkneifen. Diese Vorwurfshaltung finde ich nicht fair gegenüber uns, denn es ist nun mal nicht einfach, für eine autistische Lily, eine leicht behinderte Sandra und unsere Epileptikerin Marley (mit ständiger Begleitung durch eine Krankenschwester), eine gemeinsame Aktivität zu plänen, oder auf einen gemeinsamen Ausflug zu gehen. Generell ist es leider so, dass Sandra immer Forderungen stellt, und selbst wenig gibt. Ein Beispiel dafür wäre auch, dass ihre Großeltern sie jedes Wochenende besuchen kommen. Einen Tag vorher ruft sie diese dann an, und teilt ihnen mit, welche Art von Cafe sie haben will, welche Magazine, und welche Softgetränke. Bekommt sie diese dann am nächsten Morgen nicht genauso, wie sie sie bestellt hat, ist sie sofort sauer und das führte manchmal schon dazu, dass ihre Großeltern früher gegangen sind, als ursprünglich geplant. Ich finde es einfach schade, dass Sandra so undankbar ist. Und das mag schon auch mit ihrer Behinderung zu tun haben, aber sie weiß sehr wohl, wie sie Dankbarkeit zeigen kann. Meiner Meinung nach, sollte der Besuch von den Großeltern schon Geschenk genug sein, und dann brauchen die nicht noch 10 Dinge bringen, um Sandra erst richtig zufrieden zu stellen. Als Sandra vor einem Monat genau ein Jahr hier war, haben Fabienne und ich extra noch spät abends einen Kuchen für sie gebacken. Morgens haben wir den Frühstückstisch schön für sie gerichtet, und uns wirklich mit allem Mühe gegeben. Das einzige was ihr dann dazu eingefallen ist, als sie sich an den gedeckten Tisch gesetzt hat war, dass wir keine Karte für sie geschrieben haben. Da waren Fabienne und ich dann mal kurz richtig sauer, denn das ging einfach gar nicht. Aber jetzt genug von all den negativen Dingen, das ist natürlich nur eine Seite von ihr. Die andere Seite erkundigt sich regelmäßig, wie es meinem Ohr geht und ob es da Neuigkeiten gibt, oder bedankt sich mehrmals, wenn ich sie von der Arbeit abhole. Ötfers sagt sie auch, dass sie gerne mit mir Zeit verbringt oder sie bedankt sich ganz allgemein, dass ich hier bin, um ihr zu helfen und sie zu unterstützen. Außerdem hilft sie gerne im Haushalt mit, ist eine super große Hilfe als Beifahrer im Auto, wenn es darum geht, einen Weg zu finden und wenn sie gut gelaunt ist, kann man auch wirklich viel mit ihr Lachen. Also bitte versteht mich nicht falsch, da war jetzt einiges dabei, was mich nervt, trotzdem habe ich Sandra wirklich gerne, und sie wird mir fehlen, wenn es in einem halben Jahr zurück nach Deutschland geht.

Und zu allerletzt wäre da dann noch unsere Marley. Sie ist diejenige, die eine Krankenschwester rund um die Uhr um sich hat. Das ist deshalb so wichtig, weil sie circa alle 15 Minuten einen epileptischen Anfall hat. Das äußert sich dann aber nicht so, wie es sich manche jetzt vielleicht vorstellen. Sie liegt nicht zuckend am Boden, sondern kann weiterhin in ihrem Stuhl sitzen. Meistens hat sie zuerst eine sogannente "starring seizure", das heißt, sie starrt für eine gute Minute eine bestimmte Stelle an, und vergisst dabei manchmal zu atmen. Da ist es dann die Aufgabe der Krankenschwester, sie wieder zum Atmen zu bewegen. Nach diesem sogenannten "starring seizure" folgt dann ein "laughing seizure", bei dem sie anfängt zu Lachen, jeder aber weiß, dass das alles andere als zum Lachen ist, weil es sich dabei eben um einen epileptischen Anfall handelt. Da muss man dann aufpassen, dass sie während diesem Anfall nichts zu Essen im Mund hat. Ansonsten braucht Marley Hilfe bei absolut allem. Das einzige, was sie selber kann, ist sich die Gabel zum Mund führen, wenn du sie ihr gibst, aus ihrer Kinderflasche zu trinken (siehe Bild unten) und Laufen kann sie auch, solange sie eine Hand von der Krankenschwester halten kann. Marley kann zwar auch nicht sprechen, und auch beim Sehen ist sie sehr eingeschränkt, aber sie hat ihren Weg gefunden, heraus zu finden, wer gerade vor ihr steht. Und zwar geht sie dann einen Schritt auf dich zu, legt ihr Gesicht auf deine Brust, und kann dann durch deinen Geruch heraus finden, vor wem sie gerade steht. Sie ist mit 21 Jahren die Jüngste in unserem Haus, und trotzdem wird es jeden Monat aufs Neue wieder gefährlich für sie, wenn sie ihren einmonatigen großen epileptischen Anfall hat. Diese passieren immer nachts, und da muss dann auch Sauerstoff gegeben werden, und es werden zwei Personen benötigt, um ihr durch diese schwere Zeit zu helfen. Ich fühle mich immer schrecklich, wenn ich am nächsten Morgen erfahre, dass es wieder passiert ist, denn ich weiß, dass diese Anfälle sie umbringen können. Einmal war die Krankenschwester schon mal kurz davor, den Notruf zu wählen, weil ihr Herzschlag viel zu lange ausgesetzt hatte. Doch glücklicherweise war das dann doch nicht nötig. Dieser große Anfall nimmt Marley immer so mit, dass sie am nächsten Tag weder Essen noch Trinken kann, und eigentlich nur im Bett liegt und schläft, um sich zu erholen. Ich hoffe einfach, dass sie noch ganz viele Jahre leben kann, doch ich muss mich auch mit dem Gedanken anfreunden, dass das nicht sehr wahrscheinlich ist. Doch sie ist eine kleine Kämpferin und sie hat schon so viele Anfälle überstanden, dass sogar ihr Arzt erstaunt ist. Dessen Prognose sah nämlich so aus, dass Marley ihr 21. Lebensjahr gar nicht erreichen wird. Doch dieses kleine, starke Mädchen hat alle vom Gegenteil überzeugt.

 

Und das wars! Jetzt wisst ihr hoffentlich wieder besser Bescheid, mit wem ich so viele Stunden meines Lebens hier verbringe. Ich hatte das Gefühl, dass es wirklich Zeit für ein Update geworden ist. Ich hoffe, ihr hattet Spaß das zu lesen, und falls ihr irgendwelche Fragen, vielleicht zu einem bestimmten resident habt, dann freue ich mich riesig, euch diese Frage zu beantworten!

Bis dahin.

Fühlt euch alle ganz fest von mir gedrückt,

eure Theresa

 

 

 

14Dezember
2016

Ein Tag in Boston, Urlaub in New York City, Weihnachten und Neujahr

Hey ihr!

Nach einer längeren Pause habe ich jetzt nun endlich wieder einen neuen Blogeintrag für euch! Wie ihr euch schon denken könnt, gibt es viel zu erzählen, da ich Anfang Dezember eine Woche mit Fabienne im Urlaub war und mittlerweile haben wir irgendwie auch schon das Jahr 2017... Keine Ahnung wie das passieren konnte!

Zu aller erst wäre da allerdings mein Ausflug nach Boston, von dem ich euch gerne erzählen möchte. Und zwar wurde das relativ spontan entschieden, obwohl man ja von mir aus schon um die 3 Stunden fahren muss. Aber so habe ich mich mit vier anderen deutschen Freiwilligen zusammen getan und wir sind morgens ins Auto gesessen und nach Boston gefahren. Und ich muss sagen, ich habe mich wirklich ein bisschen in diese Stadt verliebt, und das nach nur einem Tag. Boston hat einfach einen Charme wie es die Freiburger Altstadt hat, nur dass Boston (ein bisschen) größer ist. Was mir besonders gut gefallen hat ist, dass Boston nicht wie New York total zugebaut ist. Es gibt natürlich Hochhäuser, aber dann auch einige kleinere Straßen mit normal großen Häusern. Zwischen durch gab es sogar Gassen, die mich tatsächlich an die Freiburger Altstadt erinnert haben. So ist alles gut verteilt und es gibt einen bunten Mix aus Häusern von verschiedener Größe, mit grünen Stellen zwischendurch und alles ist überschaubar! Das ist meiner Meinung nach so viel wert in einer großen Stadt! Natürlich haben wir uns mit einem Stadtplan ausgestattet, aber trotzdem hatten wir öfters die Situation, dass wir zum zweiten oder dritten Mal am selben Platz raus kamen. Und das macht Boston einfach so viel sympathischer, als zum Beispiel New York City. Jetzt wo ich den Vergleich habe, da ich in New York City im Urlaub war, kann ich auf jeden Fall sagen, dass Boston mein Favorit dieser beiden Städte ist. Besonders ein Park in Boston hat es mir wirklich angetan. Die Sonne ging gerade unter als wir da waren und dann war da ein See und eine wunderschöne Brücke... die Stimmung hat einfach gestimmt. Außerdem hat Boston viel bessere Luft als NYC und man hört nicht ganz so viele Sirenen. Man fühlt sich außerdem auch nicht so gehetzt wie in NYC, wo es sogar Schilder gibt, die darauf hinweisen, an bestimmten Stellen zügig zu laufen und nicht stehen zu bleiben. (Ein Foto wird es weiter unten geben).

Und noch ein funny fact, der gar nichts direkt mit Boston zutun hat ist, dass ich mich mit den vier deutschen Freunden die mitgekommen sind, die ganze Zeit nur auf Englisch unterhalten habe. Und zwar den ganzen Tag über! Das war echt cool, da uns das auch erst gegen Mittag aufgefallen ist, dass wir uns schon den ganzen Vormittag auf Englisch unterhalten haben. Wenn du einmal in diesem "Flow" drin bist, dann fällt es mir persönlich sogar echt leichter, einfach beim Englisch sprechen zu bleiben.

Bilder habe ich von Boston leider keine, weil meine Freunde mit ihren Spiegelreflex Kameras die BIlder gemacht haben, und die sind jetzt immer noch auf ihrer SD Karte. Ich hoffe, ich komme noch irgendwie an die Bilder ran, bevor ich im August heim fliege.

Jetzt aber zu unserem Urlaub. Und zwar sind Fabienne und ich für sechs Tage nach New York City gefahren und haben dann dort in einem Hotel in Queens geschlafen. Von dort aus sind wir dann nur 20 Minuten bis zum Times Square gefahren. Das heißt, die Lage war echt ziemlich gut und wir waren immer schnell in der Innenstadt.

Unsere Haltestelle mit New York City am Horizont

Es gab einige Momente, die ich aus unserem Urlaub mitgenommen habe, und die möchte ich euch gerne erzählen.

Wie am Tag unserer Ankunft, war es auch dieses Mal wieder beeindruckend, als wir an der Grand Central Station ausgestiegen sind. Dieser Bahnhof hat einfach was. Man kann nicht einfach nur "durch laufen", die Augen wandern ganz automatisch durch die Halle, dann hoch zur Decke und man dreht sich fast automatisch im Kreis, um jede Seite einmal anzusehen. Und erst dann wird einem bewusst, wie laut es eigentlich ist, verursacht durch die vielen Menschen die, ganz anders als wir "Touristen", mit eingezogenem Kopf durch die Halle eilen. Und diese Hektik erlebt man in New York beinahe überall, und zwar in einem  Ausmaß, wie ich es noch nie erlebt habe.

Eines der ersten Dinge, die wir besucht haben, war ein jüdisches Museum. Da fragt man sich jetzt vielleicht, wieso ausgerechnet dieses Museum? Wir haben uns im Vorhinein informiert, was es in NYC so zu sehen gibt, und dann wurden wir auf dieses Museum aufmerksam. Da wir uns beide für Geschichte interessieren und ganz besonders für die Zeit des 2. Weltkrieges, wollten wir uns unbedingt dieses Museum anschauen, um zu sehen, inwiefern es sich von einem deutschen Museum unterscheidet. Es war eine gute Entscheidung dort hinzugehen, denn das Museum war richtig schön. Es gab drei Stockwerke. Das erste beschrieb das Leben der Juden vor dem 2. Weltkrieg, das zweite Stockwerk handelte von dem 2. Weltkrieg und auf dem dritten Stockwerk ging es um das Leben der Juden heute. Interessiert haben wir uns natürlich vor allem für das zweite Stockwerk, da es total spannend war zu sehen, inwiefern die Amerikaner den Ablauf des 2. Weltkrieges beschreiben und deuten. Letzendlich kann man sagen, dass die Veranwortlichen dieses Museums eine ziemlich gute Arbeit gemacht haben, denn die Art und Weise wie sie dieses Stockwerk gestaltet haben, war sehr lebendig, leicht zu verstehen und vor allem sehr anschaulich, da viele Dinge auch in Schaufenstern ausgestellt waren, wie zum Beispiel ein Brettspiel, das "Mensch Ärger dich nicht" ähnelt, bei dem man allerdings jüdische Figuren raus kicken muss. Außerdem war Hitlers Buch "Mein Kampf" ausgestellt, deutsche Pässe mit dem Judenstern darauf, große Flaggen der Nazis und vieles mehr. Es gab sogar Videos von Deutschen, die auf Englisch erzählen, was ihnen während dem 2. Weltkrieg passiert ist. Da das Museum erst 11 Jahre alt ist, ist es sehr modern. Einen Besuch ist es auf jeden Fall wert!

Ziemlich lustig war dann noch, dass Fabienne und ich versucht haben, aus einem dieser komischen amerikanischen Wasserspender zu trinken, das aber nicht hingekriegt haben (das ist wirklich komplizierter als es sich anhört!), und dann von einem Museumsmitarbeiter kurzerhand in den Aufenthaltsraum für die Angestellten gebracht wurden. Dort haben wir dann eine Flasche Wasser bekommen und uns dann noch unterhalten, da unser Helfer wissen wollte, wo wir her kommen. Durch ihn haben wir dann noch erfahren, wie wir umsonst die Statue of Liberty sehen können, aber dazu später mehr.

Ein kleines Highlight für mich persönlich war dann noch eine Hip Hop Aufführung von ein paar dunkelhäutigen Amis in einem Park. Der Höhepunkt ihrer Aufführung war ein Sprung mit Anlauf über eine Reihe von dicht zusammen stehenden Menschen. Ganz vorne stand ein Kind und alle anderen ausgewählten Menschen wurden der Größe nach hintereinander aufgereiht. Bevor es dann losging, haben sie alle zusammen gleichzeitig gesagt: "Don't be scared of this jump... Be scared of alcohol, be scared of drugs and be scared of Donald Trump!". Und sie ernteten dafür Beifall von allen Menschen, mich und Fabienne mit eingeschlossen. Das war ziemlich cool.

Während unserem Urlaub haben Fabienne und ich etwas lustiges festgestellt. Dadurch dass wir hier in Amerika ja wohl oder übel noch minderjährig sind, gibt es für uns leider keinen Eintritt in einen Tanzlub. Aber das macht uns gar nichts, denn wir haben stattdessen einfach unsere eigenen kleinen Privatpartys in Klamottenläden, in denen die Musik laut aufgedreht ist oder in Touristen Bussen, in denen man die Musik durch Kopfhörer hört, wenn gerade mal für eine Zeit lang keine Sehenswürdigkeit anzusehen ist. (Um ehrlich zu sein, so wirklich ein Ersatz ist das dann aber doch nicht...). Als wir da also so tanzten, fiel uns auf, dass wir ja tatsächlich nirgendwo anders tanzen können und das fanden wir dann ziemlich traurig auf der einen Seite, aber auch ziemlich lustig auf der anderen Seite, da wir uns zu dem Zeitpunkt schon eine Art Ersatz Disko erschaffen hatten.

Aber zurück zum Sightseeing in New York. Am zweiten Tag habe ich zum ersten Mal die Statue of Liberty gesehen und ich muss sagen, ich hab sie mir wirklich nicht so groß vorgestellt. Mama und Papa haben beim Skypen darüber gelacht, dass ich so überrascht war, wie groß die Statue tatsächlich ist, aber ich hatte offensichtlich vergessen, dass man da ja sogar rein gehen kann. Entsprechend habe ich eher mit so einer mittelgroßen Statue gerechnet. Jedenfalls hatten wir super Glück mit dem Wetter, denn die Sonne war gerade am untergehen und so wurde dann die Skyline von NYC, die wir vom Boot aus sehen konnten, richtig schön golden angeleuchtet. Und diese Bootstour war für uns umsonst, weil wir uns ein Ticket für eine Sightseeing Bus Tour gekauft haben, wo dieser Ausflug zur Statue of Liberty inklusive war.

Meine Damen und Herren, im Hintergrund sehen Sie eine von Leonardo di Caprios Wohnungen! Kreeiisch!

Ein Place to be in NYC ist dann auf jeden Fall noch der Times Square. Als wir das erste Mal dort waren, war es Nacht und entsprechend hat die Atmosphäre auf jeden Fall total auf uns gewirkt. Man hatte das Gefühl, dass es Vormittag war, da es durch die vielen leuchtenden Bildschirme einfach so hell war. Und dann gibt es da einfach alle Läden die jedes Frauenherz höher schlagen lassen und natürlich noch viel mehr als nur Läden. Eines der ersten Geschäfte das wir betreten haben war... Trommelwirbel.. die M&M World. Ich hab noch nie in meinem Leben so viele verschieden farbige M&M's auf einem Haufen gesehen. Das war sehr verführerisch, aber wir haben uns zusammen gerissen, da man die M&M's in einem normalen Geschäft natürlich für viel weniger Geld bekommen kann.

Disney World Store Hektik ist da vorprogrammiert

Ein weiteres Highlight für uns war auf jeden Fall noch die deutsche Currywurst, die wir im Chelsea Market gegessen haben. Diese Markthalle ist ungefähr vergleichbar mit unserer Markthalle in Freiburg, nur ist sie ein bisschen kleiner und überschaulicher. Uns wurde schon im Vorhinein gesagt, dass es dort diesen deutschen Stand gibt, entsprechend stand dann für uns fest, dass wir auf jeden Fall da hin möchten. Dieser Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn nicht nur die Wurst war super lecker, auch das Brot dazu hat einfach lecker deutsch geschmeckt. Und wo wir es gerade vom Essen haben, möchte ich euch auch nicht vorenthalten, dass Fabienne und ich die große Ehre hatten (ja, wir betrachten das als Ehre), in einer der wenigen Nutellabars weltweit zu essen. Das war so cool! Mitten in NYC, auf der 5th Avenue, gibt es diese kleine, süße Nutellabar, an der man ganz leicht vorbei läuft. Aber nicht, wenn man so ein Nutella Freak ist, wie Fabienne und ich es sind. 

Ja und so haben wir unsere Tage in New York City verbracht. Die ständigen Sirenen werden mir auf jeden Fall nicht fehlen, soviel steht schon mal fest, genauso wenig die vielen gestressten Menschen und die schlechte Luft an manchen Stellen. Trotzdem würde ich immer wieder nach NYC gehen, einfach weil es so viele tolle Orte zu besuchen gibt und die Stadt einen auf jeden Fall umhaut, aber auf eine positive Art und Weise. Wie ihr unten auf den Bildern sehen könnt, haben wir auch noch das Empire State Building gesehen, waren beim Rockefeller Center, beim 9/11 Memorial, im Central Park und auch die Upper East Side haben wir uns angeguckt und darüber spekuliert, wie reich du sein musst, um dir auch nur eine kleine Wohnung in diesem Umfeld leisten zu können.

  Rockefeller Center      Central Park Central Park Einkaufszettel in Stein gemeißelt Suuubwaaay- jeden Tag gefühlte 20 Mal Central Park und die Hochhäuser im Hintergrund Empire State Building 9/11 Memorial

Alles in allem haben wir einen wirklich guten Überblick über diese Stadt bekommen, aber wofür ich in Boston nur einen Tag gebraucht habe, waren dann in NYC schon sechs Tage nötig. Natürlich habe ich aber auch in Boston noch nicht alles gesehen, und möchte da sehr gerne nochmal hin, auch um meine Großcousine zu besuchen. :-) 

Da ihr sicher wissen möchtet, wie ich Weihnachten verbracht habe, werde ich euch das auch noch kurz erzählen. Allerdings gibt es da um ehrlich zu sein nicht viel zu erzählen, außer dass ich am 24. bei uns Zuhause in Connecticut gefeiert habe, und zwar waren unsere drei Residents alle bei ihren Eltern, sodass Fabienne und ich für unsere House Mom Lisa, ihren Sohn Nolan und unsere zwei japanischen Mädels, die mit uns als Freiwillige in unserem Haus arbeiten, etwas deutsches gekocht haben. Und zwar gab es Braten mit Bohnen, Erbsen, Karotten, Nudeln und einer Bratensoße. Und die Soße war tatsächlich das Highlight. Warum fragt ihr euch? Ganz einfach! Die Amis kochen immer ohne Soße! Keine Ahnung wieso! Ich hoffe ihr könnt meine Empörung hier raus lesen. Fabienne und ich sind es von Zuhause einfach gewöhnt, immer Soße zu unserem Essen zu haben. Es würde nie einfach nur Reis mit Brokkoli und Hühnchen geben, hier ist das ein normales Gericht. Aber so gab es dann an Weihnachten eine Soße und wir sind deshalb vor Freude mehrmals an diesem Abend mit einer kleinen Schrei Attacke ausgerastet. Am nächsten Morgen wurden dann, nach der amerikanischen Tradition, die Geschenke ausgepackt und wir wurden wirklich reich beschenkt, und hatten damit wirklich nicht gerechnet. Es war also ein sehr ruhiges und schönes Weihnachtsfest, das ich Gott sei Dank mit wenig bis gar keinem Heimweh gut überstanden habe.

Unser Weihnachtsbaum mit viiiielen Geschenken Unsere Stockings wurden auch am 25. morgens aufgemacht <3

Neujahr verlief dann ganz anders, als wir es uns alle erst vorgestellt hatten, und zwar hatten Fabienne und ich eigentlich geplant, auf eine Silvester Party zu gehen. Doch Fabienne wurde ganz plötzlich am Morgen des 31. krank und so habe ich beschlossen, bei ihr Zuhause zu bleiben, da es mir viel wichtiger war, mit ihr ins neue Jahr zu rutschen, als ohne sie auf eine Party zu gehen. Natürlich hat sie sich geärgert, dass ihr Körper ihr ausgerechnet an Silvester einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, doch letztendlich war es wirklich gar nicht schlimm, dass wir Zuhause geblieben sind. Wer kann schon von sich behaupten, in einem Wohnzimmer mit einem Glas Wasser und ohne Raketen auf das neue Jahr angestoßen zu haben? Allerdings muss ich hinzufügen, dass es die Raketen auch auf der Party nicht gegeben hätte, da diese in unserem Bundesstaat nicht erlaubt sind. Nur an ausgewählten Orten (wie zum Beispiel am Times Square in NYC), gibt es Feuerwerke. Und so war mein Silvester! Nicht spektakulär, aber dafür habe ich es mit der wichtigsten Person an meiner Seite zusammen gefeiert und das ist alles was zählt. 

Und jetzt Mama und Papa, lasse ich zum Schluss noch alle an unserer witzigen Skype Konversation über das amerikanische Englisch teilhaben! Und zwar habe ich zugegeben, dass ich jetzt, wo ich amerikanisches Englisch spreche, es sooo komisch finde, britisches English zu hören. Für mich klingt das einfach viel zu akurat und überspitzt und überhaupt. Und dann ist mir eingefallen, wieso das alles so gekommen ist, wie es gekommen ist. Ich komm aus dem badischen Freiburg! Wo kein Mensch akurat hochdeutsch spricht und man auch gut und gerne mal aus dem "ist" ein "isch" macht oder aus dem "bist" ein "bisch". Und das amerikanische Englisch ist einfach ganz genauso! Hochdeutsch verbinde ich also ab sofort mit britischem English und mein badischer Dialet kann sich jetzt einfach perfekt in meinem amerikanischem Englisch wiederspiegeln. Ja.. diese Erkenntniss habe ich vor ein paar Tagen mit Mama und Papa während unserem Skype Gespräch gemacht und wollte euch daran gerne teilhaben lassen. :-D

Sodele, das tat gut, endlich Mal wieder einen Blog zu schreiben! Ich hoffe ihr habt Freude ihn zu lesen und ich verspreche euch, dass ihr nicht nochmal so lange auf den nächsten Blog warten müsst!

Habt einen tollen Tag! Fühlt euch umarmt,

Eure Theresa

 

12November
2016

Trump als neuer Präsident, amerikanischer Gottesdienst und das Thema Gewöhnung

Hallo zusammen,

ich wollte mich ursprünglich direkt am Mittwochmorgen, nach den Wahlen, an einen neuen Blog setzen, um meinen Ärger direkt nieder zu schreiben, habe mich dann aber doch noch eines Besseren besinnt, und jetzt erst noch ein paar Tage vorbei gehen lassen.

Dass ich unfassbar fassungslos und enttäuscht von dem Wahlergebnis bin, könnt ihr euch sicher schon denken. Was aber die Amerikaner in meinem Umfeld darüber denken, und wie sie gewählt haben, will ich euch jetzt erzählen. Am Mittwochmorgen bin ich davon aufgewacht, dass Fabienne ungläubig das Wahlergebnis kommentiert hat und es einfach nicht fassen konnte, was sie da sah. Ich habe es ihr zuerst nicht geglaubt, und musste mich selbst noch einmal vergewissern. Als ich dann aber sicher sein konnte, dass Trump tatsächlich gewonnen hat, wurde ich so wütend, dass mich bereits um 6 Uhr morgens nichts mehr im Bett halten konnte. Nachdem ich mich erstmal gemeinsam mit Fabienne darüber ausgetauscht habe, was denn eigentlich verkehrt läuft in unserer Welt, bin ich runter gelaufen, weil ich Lisa (unsere House Mom) sehen wollte. Sie hat mir dann erzählt, dass sie die ganze Nacht nicht schlafen konnte, aus Angst, was jetzt als nächstes passieren wird. Und sie ist mit dieser Angst natürlich nicht alleine. Wenn Trump erst einmal damit anfangen wird, seine Pläne nach und nach in die Realität umzusetzen, dann wird sich einiges verändern. Und das ist jedem Ami hier bewusst. Lisa kamen die Tränen, als sie über ihre Söhne gesprochen hat, weil sie nicht weiß, wie sich ihre Zukunft, durch den neuen Präsidenten, verändern wird. Am Mittagsessentisch an der Farm wurde dann hitzig diskutiert, inwiefern man sich jetzt Gedanken über die Versicherungs Situation machen muss, da Trump ziemlich sicher Barack Obama's "Health Care" abschaffen wird. Sowieso wird Trump höchstwahrscheinlich alles, woran Barack Obama in den letzten acht Jahren gearbeitet hat, einfach zunichte machen und durch seine eigenen Ideen ersetzen.

Es liegt ganz offensichtlich Wut und Angst in der Luft, die jeder hier spürt und die einem augenblicklich einen Kloß im Hals verursacht. Die letzten Abende waren nahezu nicht zum Aushalten, einfach weil jeder wie gelähmt ist. Meine Facebook Timeline ist voll mit Bildern und Texten von meinen amerikanischen Freunden. Manche rufen dazu auf, sich jetzt nicht unterkriegen zu lassen und zusammen zu halten, andere schreiben einfach ganz direkt, was sie von Trump halten und dass sie ihn nicht als ihren Präsidenten anerkennen. Jeden Tag sehe ich neue Petitionen online, die unterschrieben werden sollen und die alle sehr deutlich machen, wie unhaltbar die momentane Situation ist. Mir geht es schon wirklich schlecht, wenn ich daran denke, dass Trump jetzt für vier Jahre an der Spitze von Amerika steht. Doch ich werde in 9 Monaten diesem Land den Rücken kehren, und zurück nach Deutschland fliegen. Das heißt natürlich nicht, dass ich dann nicht mehr von Trump's Politik beeinflusst werden kann, denn fast die ganze Welt ist in irgendeiner Art und Weise mit Amerika am interagieren. Doch worauf ich hinaus will ist, dass ich hier alle Menschen, die ich mittlerweile schon in mein Herz geschlossen habe, zurück lassen muss. Zurück lassen mit Trump an der Spitze. Wenn mir also schon schlecht wird bei diesem Gedanken, wie geht es dann erst den Amerikanern, die hier noch lange leben werden? Es gibt tatsächlich auch viele Gespräche darüber, sich einen Pass anzuschaffen, und dann aus Amerika abzuhauen. Und ich finde das zu 100% verständlich! Leider ist es nur nicht so leicht umsetzbar. Die kanadische Auslandsbehöre ist ja bereits am Mittwoch zusammen gebrochen, da sich zu viele Menschen, für das Auswandern nach Kanda, informiert haben.

Ausnahmslos alle Menschen, die mir wichtig sind, haben sich ganz eindeutig auf die Seite der Demokraten gestellt. Und all diese Menschen, wurden jetzt so unglaublich enttäuscht. Wer hätte das auch vorhersehen können? Das solch ein Mensch, der so rassistisch und sexistisch ist, zu dem mächtigsten Mann der Welt gewählt wird. Jeder in meinem Umfeld hat mit Hillary gerechnet. Einfach aus dem Grund, weil jeder der Meinung war: Der Trump wirds schon nicht werden, so dumm können die Menschen doch einfach nicht sein, so jemanden zu wählen. Tja, da lagen viele Menschen, mich mit eingeschlossen, wohl daneben.

Trump sieht die Gefahr des Klimawandels nicht, er lobt Putin für seine Politik, er will die amerikanischen Bürger wieder stärker bewaffnen, er möchte eine Mauer an Mexiko's Grenze bauen, er möchte das sogenannte "Waterboarding", einer Verhörungsmethode, bei der das Ertrinken simuliert wird, einführen, er möchte die Einwanderung stoppen, er möchte die Immigranten loswerden.... und das ist nur ein Teil seiner schlimmen Vorhaben. Diese ganzen Punkte sprechen doch wirklich schon für sich, und dennoch gibt es Menschen, die ihn mit diesem Wissen gewählt haben. Einige dieser Menschen leben nicht mal fünf Minuten von mir entfernt. Das ist so traurig.

Jetzt bleibt es erstmal abzuwarten, was Trump ab Januar alles anrichten wird. Ich sehe dem Ganzen sehr pessimistisch entgegen und gebe das auch zu, möchte mich aber auf der anderen Seite auch nicht zu sehr von der ganzen Sache herunter ziehen zu lassen. Schließlich bin ich hier, um ein tolles Jahr zu erleben und ich sehe es nicht ein, mir von so jemandem wie Trump, mein Jahr hier in Amerika verderben zu lassen. Das wird er nicht schaffen.

 

Um sich jetzt aber noch einem schöneren Thema zuzuwenden, möchte ich euch gerne von meinem ersten amerikanischen Gottesdienst erzählen. Marley, unsere 21-jährige Behinderte, die mit mir zusammen hier in Connecticut lebt, geht alle zwei Wochen in die Kirche. Da Fabienne und ich zu dieser Zeit am Sonntag beide nicht arbeiten müssen, haben wir recht spontan beschlossen, sie zu begleiten. Und ich muss sagen, der Gottesdienst ähnelt dem deutschen Gottesdienst mehr als ich dachte. Der Ablauf ist fast der selbe, es wird viel gesungen, die Predigt ist hier ein bisschen länger als bei uns in Deutschland und anstatt "Friede sei mit dir" wird dann hier "Peace be with you" gesagt und dazu die Hand geschüttelt. Nur bei dem Abendmahl gibt es einen Unterschied und dieser ist für mich so richtig typisch amerikanisch. Und zwar steht keiner auf, um das Brot und den Wein entgegen zu nehmen, sondern die Kirchenältesten laufen mit einem Tablett durch den Gang, und geben dieses einmal durch jede Reihe durch. Den Wein gibt es außerdem nicht in einem Kelch, aus dem dann jeder trinkt, sondern wird in mini Plastikbechern ausgeschenkt. Das war richtig komisch. Am Befremdlichsten war es aber echt, dass die Amerikaner einfach sitzen geblieben sind. Damit wäre dann das Faulheits Vorurteil wieder mal bestätigt...

Als letztes möchte ich gerne noch das Thema Gewohnheit ansprechen, da ich der Meinung bin, dass ich mich in recht kurzer Zeit schon an viele Dinge gewöhnt habe, die mir anfangs noch sehr fremd waren. Zum einen wäre da mal die unterschiedliche Art und Weise, wie die residents mich begrüßen, wenn sie mich sehen. Lisa zum Beispiel, ist immer aufgeregt und freut sich tierisch, über alle Menschen die in der Farm ein- und ausgehen. Sie ist immer die erste, die deinen Namen ruft, auch wenn sie 20 Meter von dir entfernt sitzt. Das macht mich einfach immer glücklich, denn netter begrüßt werden kann man gar nicht. Und dann wäre da auch Justin. In einer meiner früheren Blogeinträge habe ich geschrieben, dass er sich ausschließlich mit Geräuschen bemerkbar macht, da er nicht sprechen kann. Und es stimmt auch, dass er nicht sprechen kann, doch er hat jetzt letzendlich einen Weg gefunden, meinen nicht einfachen Namen zu sagen. Und zwar hört sich das dann folgendermaßen an: "Te  -  Te  --- aaah". Zwischen den einzelnen Silben macht er immer kurze Pausen, doch wenn er das sagt, weiß ich sofort, dass ich gemeint bin. Fabienne hat hier ja den Spitznamen Enny von uns bekommen. Justin hat sich aber dazu entschlossen, aus Enny Eddy zu machen. Und so wird Fabienne jetzt immer mit "Eddy" begrüßt. "Hi" kann er übrigens auch sagen! Maggie begrüßt einen, ähnlich wie Justin und Lisa es tun, auch immer sehr herzlich, meistens zusammen mit einer Umarmung und irgendeiner Geschichte aus ihrem Leben, die sie gerade dringend loswerden muss.

Und dann ist da die andere Seite, die stumme, aber deshalb nicht weniger freundliche Seite. Unsere Lily zum Beispiel, nimmt es manchmal gar nicht erst zur Kenntniss, wenn man ihr Hallo sagt. Manchmal schaut sie einen kurz an, und setzt dann ihr Laufen in Kreisen fort, ohne dir noch mehr Beachtung zu schenken. Fast das selbe gilt für Jim. Da er meistens mit dem Kopf nach unten sieht, kann er manchmal auch gar nicht genau wissen, wer ihm eigentlich gerade Hallo sagt. Sprechen kann er zwar, macht er allerdings sehr selten und wenn dann sehr leise. Trotzdem ist es für mich mittlerweile zur absoluten Gewöhnung geworden, mich mit diesen residents genauso zu unterhalten, wie ich es mit den anderen mache. Das ich keine Antwort erhalten werde, ist normal für mich geworden. Bei Lily weiß ich aber sicher, dass sie jedes einzelne Wort was ich zu ihr sage, versteht. Sie schenkt mir manchmal einfach keine Beachtung, weil es sie nicht interessiert. Doch wenn ich sie beispielsweise dazu auffordere, sich im Badezimmer nach dem Duschen umzudrehen, sodass ich sie abtrocknen kann, macht sie das. Oder wenn ich ihr ein zweiten Teller mit Essen gebe, sie aber davor dazu auffordere, ihr Wasser zu trinken, dann trinkt sie ihr Wasser für mich.

Diese unglaublich verschiedenen Arten, mit mir zu kommunizieren, finde ich total spannend. Während die einen ausrasten vor Freude, wenn sie dich sehen, verziehen andere nicht mal ihren Mundwinkel. Aber das ist okay! Nur deshalb hatte das Lächeln von Lily, was sie mir vor einigen Wochen zum ersten Mal geschenkt hatte, so eine große Bedeutung für mich.

Das wars dann für heute. Es ist ganz ungewohnt, keine Bilder zu dem Blog hinzuzufügen... Der nächste Blog wird wieder mit Bildern versehen- Versprochen. laughing Ich hoffe, ihr interessiert euch für die Themen, die ich heute im Blog aufgegriffen habe und ich freue mich wie immer sehr über eure Kommentare!

Ich hoffe es geht euch allen gut! Fühlt euch fest umarmt,

eure Theresa

 

 

02November
2016

Mein erstes amerikanische Football Game, mein erster amerikanische Schnee und mein erstes amerikanische Halloween

Hello to Germany!

Da in der letzten Zeit wieder einiges passiert ist, bin ich der Meinung, dass es mal wieder Zeit ist, euch auf den neusten Stand zu bringen. Zuerst möchte ich aber kurz loswerden, wie gut es mir momentan geht. Es ist so ein unglaublich gutes Gefühl, sich hier nun wirklich zu 100% aufgenommen und gebraucht zu fühlen. Mittlerweile gehöre ich hier zu den Freiwilligen, die schon am längsten hier sind und das fühlt sich richtig toll an. Die anderen ein bisschen einzuweisen und ihnen zu helfen, wenn es mal wo klemmt, macht mich stolz. Außerdem kenne ich mich mittlerweile in der Gegend aus und muss nicht mehr länger auf mein GPS auf dem Handy vertrauen. Ich lerne langsam aber sicher, wo ich was in unserem Einkaufsladen finde. Ich werde immer sicherer im Englisch reden. Und ich hab mich daran gewöhnt immer mal wieder "Schere Stein Papier" mit Fabienne zu spielen, wenn wir abends beide schon todmüde im Bett liegen, eine von uns beiden allerdings nochmal aufstehen muss um das Licht auszumachen.

Und wenn wir es gerade schon vom Thema Gewöhnung haben. Ich habe mich ebenfalls daran gewöhnt, dass ich jeden Tag mindestens eine Stunde im Auto sitze. Das mag jetzt für euch ziemlich lange klingen, aber tatsächlich ist das für mich Alltag geworden. Da wir nun mal jeden Tag die halbe Stunde von unserem Haus in Connecticut zur Farm fahren, hab ich mich daran gewöhnt, so viel im Auto zu sitzen. Außerdem ist es wirklich sehr entspannt Automatik zu fahren und man muss aufpassen, dass man sich den SItz nicht zu bequem einstellt, ansonsten würde man nämlich einfach einschlafen. Das wird mir aber nicht passieren, keine Angst. Da ich meine rechte Hand selten brauche, außer in langen Kurven, wird die auch gut und gerne mal benutzt, um was zu trinken oder essen. But always remember: Don't text and drive!

Eine Hand hat man eigentlich auch immer frei, was sehr praktisch ist um bspw. während der Fahrt zu trinken :D

Ganz im Allgemeinen ist es für euch eventuell noch interessant zu wissen, dass man hier nie schneller als 110 km/h fahren kann. Auf Bundesstraßen fährt man hier höchstens 70 km/h und nur auf den Autobahnen ist es dann mal erlaubt, 110 km/h zu fahren. Raser werden sofort von der Polizei angehalten, und glaubt mir, man will hier wirklich nicht von der Polizei angehalten werden. Die machen einem hier nämlich Angst. Diese Einstellung gegenüber den Polizisten habe ich sicher auch deshalb, da ich bereits in Deutschland viel über die Polizeigewalt in den USA gelernt habe. Auf meinem Vorbereitungsseminar in Heilbronn, wenige Tage vor meinem Abflug, hielte ich auch noch eine Präsentation über die Polizeigewalt gegenüber der Schwarzen in Amerika.

Am 21. Oktober hatten Fabienne und ich dann zum ersten Mal die Gelegenheit zu einem amerikanischen Football Game zu gehen. Und zwar vor allem deshalb, weil der Sohn von unserer House Mom Lisa in einem Football Team spielt. Vor dem Spiel hatten wir noch zwei alte Trikots von ihm ausgeliehen bekommen, was sehr lieb von ihm war. Seine Mom konnte das erst gar nicht glauben, weil keine seiner Freunde jemals ein Trikot von ihm ausgeliehen bekommen hatten. Da haben wir dann wohl den "Wir kommen aus Deutschland und sind hier nur für ein Jahr"- Bonus bekommen. Und eventuell gab er uns die Trikots auch einfach, weil er uns mag. Das Spiel war dann echt cool, auch wenn wir ehrlicherweise die Regeln nicht so wirklich verstanden haben. Das Wetter war auch nicht das Beste, denn man konnte wegen aufkommendem Nebel manchmal kaum das ganze Spielfeld überblicken. Was ich jedenfalls gelernt habe ist, dass Football ein aggressiver Sport ist und es einfach darum geht, den Football in die Hände zu bekommen, dann mit dem Football in der Hand zu rennen und einen "Touch down" zu machen. Das bedeutet, der Ball muss den Boden berühren. Am schwierigsten ist der Weg von der Mitte des Spielfelds bis zum Rand, wo man den Touch down durchführen kann, weil das gegnerische Team alles versuchen wird, um den Ball wieder für sich zu gewinnen. Da entsteht dann auch gut und gerne mal ein Sauhaufen, da die Jungs sich alle gegenseitig umrennen oder übereinander fallen. Doch das ist kein Grund, um sich zu erschrecken, das ist normal.

Zwei stolze Mädels  

Ein Grund zum Erschrecken gab es für mich dann allerdings ein paar Tage später. Ich schaute Mittags nach einem kurzen Mittagsschlaf aus dem Fenster, und dann lag da einfach Schnee in unserem Garten! Und zwar nicht gerade wenig! Ein Beweisbild gibt es natürlich, damit ihr mir auch glaubt. Jetzt momentan glaube ich es ehrlich gesagt selbst nicht mal mehr, weil wir heute wieder einen ziemlich warmen Tag bei circa 18 Grad hatten. Das Wetter spielt verrückt. Meiner Meinung nach war es aber sowieso zu früh, schon im Oktober Schnee zu haben. Hoffentlich lässt der nächste Schnee noch ein bisschen auf sich warten... Der kommende Winter hier wird nämlich bereits als langer und schneereicher Winter angekündigt, da es letztes Jahr kaum Schnee gab und dieses Jahr der erste Schnee nun schon im Oktober fiel.

Die Farm in Schnee eingepackt Das war der Anfang... Blick aus unserem Haus

Als letztes möchte ich euch jetzt noch von unserer Halloween Party in der Farm erzählen. Fabienne und ich waren ziemlich aufgeregt, da wir wissen, wie wichtig Halloween hier ist. Um ehrlich zu sein, feier ich Halloween schon seit Jahren nicht mehr in Deutschland, weil ich den Sinn darin nicht wirklich sehe. Doch da ich weiß, wie wichtig Halloween für die Amis ist (die haben ja auch kein Fasnet, die Armen), habe ich mich da einfach mal angepasst. Und ich muss zugeben, dass es schon spaßig war. Hier in Amerika ist es erlaubt, jedes Kostüm anzuziehen, was einem so in den Sinn kommt. Es muss also nicht unbedingt gruselig sein. An der Farm gab es beispielsweise eine Ballerina, zwei Minions, Feen, Hot Dogs und noch vieles mehr. Die Farm war voll mit Menschen und es war schwierig überhaupt einen Sitzplatz zum Essen zu finden. Aber ich liebe solche Partys, einfach weil sich unsere residents schon Tage vorher darauf freuen und es alle lieben, das Haus voll zu haben.

Selfie mit einer lächelnden (!!!) Lily (bzw Audrey Hepburn) Connecticut Crew <3 Ich war... ja was eigentlich... ein blutendes Burgfräulein vielleicht?   selfmade Halloween cookies Vicky (resident in Orchad House) und ich Fabienne, Jarrid (ebenfalls resident in Orchad House) und ich Die Minions und MaggieAudrey Hepburn am Gitarre spielenEmma (links, resident), Julie (mitte, office staff), Sami (zweite von rechts, resident in meinem Haus) und Lisa (House Mom)Natalia (office staff) und Jim (resident)Zwei Goldschätze (gehören glaube ich zu dem Chef des Bauernhofes)Meine Beste <3

Heute wurde das ein etwas kürzerer Blog als sonst... Ich hoffe ihr hattet dennoch Spaß ihn zu lesen und nehmt mir das nicht übel. Sobald es wieder mehr zu berichten gibt, werde ich es euch natürlich wissen lassen! Der nächste Blog wird kommen!

Ich wünsche euch einen tollen Tag!

Gute Nacht,

eure Theresa

PS: Ich habe wirklich die süßeste Freundin hier! Kann man besser in den Tag starten, als mit so einem Frühstück und diesem Zettelchen? Ich glaube nicht. Danke Fabienne, du bist die Beste. <3

 

11Oktober
2016

Tag der Offenen Tür im Connecticut Haus, ein Ausflug zum Meer und mehr

Hallo zusammen!

Nach einer längeren Zeit ohne einen neuen Blogeintrag, ist es jetzt wieder Zeit euch auf den neusten Stand zu bringen. Gestern waren es 2 Monate, seit denen ich nun hier bin und ehrlich gesagt ist mir das erst abends durch Zufall aufgefallen, da ich hier so beschäftigt bin. Ein gutes Zeichen!

Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich in meinem letzten Blogeintrag von der Messe erzählt habe, die wir gemeinsam mit den guys besucht hatten. Vor circa drei Wochen waren Fabienne, Magda (eine der neuen Freiwilligen aus Deutschland) und ich auf einer anderen, deutlich größeren Messe in West Springfield. Das war ein ziemlich cooler Nachmittag, an dem wir uns den Bauch mit super gesundem Essen vollgeschlagen haben und einfach gemütlich über die Messe geschlendert sind. Die Fahrgeschäfte haben auch einen vertrauenswürdigeren Eindruck gemacht als auf der anderen Messe, doch 8 Dollar zu bezahlen, um eine Minute in einer Achterbahn zu sitzen, sehe ich dann doch nicht ein...

Hot Donuts Wer es schafft die Leiter hochzuklettern, bekommt ein Kuscheltier. Für Fabienne war die Versuchung groß, es auch zu probieren... Bei uns drei ist immer gute Laune angesagt

Der letzte Mittwoch war ein großer Tag für uns im Connecticut Haus. Da dieses Haus erst seit Mai letzten Jahres von Stanton Home übernommen wurde, gehört es zu den neusten Häusern von Stanton Home. Eine Einweihung fand aber bisher noch nicht statt- bis eben letzte Woche Mittwoch. Unser "Open House" wurde schon viele Tage vorher angekündigt (sogar in der Zeitung) und entsprechend war der Druck, dass alles perfekt werden soll, auf jeden Fall gegeben. Und so begannen wir Mittwochmorgen mit den Vorbereitungen. Wir haben gekocht und gebacken und geputzt bis zur vollständigen Ermüdung. Dann haben wir noch Möbel verschoben, in den Keller getragen und alles dekoriert. Mit dem Endergebnis viele Stunden später waren wir dann sehr zufrieden und unsere House Mom Lisa war stolz auf ihre "Connecticut Crew". Um 5pm sind dann die ersten Gäste eingetrudelt und es wurde gegessen, gequatscht und das Haus bestaunt. Selbst heute noch kriegen wir Rückmeldungen, wie toll das Open House war und das erfüllt uns natürlich alle mit Stolz. Vor allem auch, weil wir die Gastgeber waren. Dadurch lag alles in unserer Hand und der Abend war ein Ergebnis unserer tollen Teamarbeit. Es war ein sehr gutes Gefühl, Menschen durch unser Haus zu führen, ihnen erklären zu können wer wo lebt, wo man was findet und so weiter... Da wir auch eine sehr neu zusammen gewürfelte Gruppe sind, mit einer neuen House Mom und neuem Staff, war es uns umso wichtiger zu beweisen, was für eine tolle Gruppe wir sind. Unter uns gesagt: ein bisschen angeben gehörte da auch dazu. :-)

Lisa (House Mom), Marley (in der Mitte), Rie, Fabienne und ich Lily und ihr Papa Maggie und ich Elvis (volunteer), Molly (office staff) und Lisa (resident) Das ist nur einer der Buffet Tische... Jooohnny Einige von uns Freiwilligen (allerdings fehlt auf dem Bild sogar noch fast die Hälfte) Rosalyn (office staff), Jarrid (resident) und Pam (office staff)

Am Freitag darauf waren wir Äpfel pflücken. Darüber habe ich mich persönlich gefreut, da ich so der Gartenarbeit entgehen konnte. Ich habe nichts gegen Gartenarbeit einzuwenden, aber es ist doch schon ziemlich anstrengend mit Lily im Garten zu arbeiten. Oft läuft es darauf hinaus, dass es für mich doppelt so anstrengend wird, wenn ich sie in die Arbeit integriere. Und wenn sie dann noch wegrennt, weil sie keine Lust mehr hat, dann fördert das nicht gerade meine Motivation. Aber wir hatten auch schon echt gute Tage im Garten zusammen, denn wenn Lily helfen will, dann gibt sie richtig Gas.

Jetzt bin ich aber ein bisschen vom eigentlichen Thema abgekommen... Wir sind dann eben am Freitag zum Orchad House gefahren (wo Vicky, Jim und Jarrid leben), da sie rund um ihr Haus ziemlich viele Apfelbäume haben. Lily war auch dabei, doch an diesem Tag wollte sie wieder mal nicht aus dem Auto raus kommen. Das kommt oft vor und wenn sie sich weigert auszusteigen, muss man aufpassen, dass man sich nicht zwischen die Autotür und ihren Sitzplatz stellt, weil sie immer ihre ganze Kraft zusammen nimmt, um die Autotür zu zureißen. Der Grund, wieso sie nicht austeigen möchte, ist oft einfach Sturköpfigkeit, manchmal aber auch Angst, wenn sie noch nie zuvor an diesem Ort war. Während wir dann also alle Äpfel gepflückt haben, saß sie im Auto und hat uns zugeschaut. Natürlich haben wir immer wieder probiert, sie zu überreden raus zu kommen, doch wenn sie nicht will, bekommen sie keine 10 Pferde aus dem Auto. Ich hatte trotzdem meinen Spaß und habe es irgendwann eingesehen, dass Lily uns wohl nicht helfen möchte.

John und ich sind ein gutes Team! Dich krieg ich auch noch!

Als nächstes möchte ich gerne auf das Englisch sprechen eingehen. Es wird für mich immer einfacher, Englisch zu verstehen und es auch selbst zu sprechen. Es macht einfach einen wahnsinnigen Unterschied, ob man in Deutschland in einem Klassenzimmer sitzt und mehr oder weniger dazu gezwungen wird, einen englischen Dialog zu führen, der dann auch entsprechend verklemmt wird, oder ob man in einem englischsprachigen Land lebt und jeder um einen herum Englisch spricht. Am Anfang, als ich erst wenige Tage hier war, habe ich mir oft die englischen Sätze im Kopf erst vorformuliert, damit ich sicher sein konnte, dass es stimmt, was ich sage. Mittlerweile muss ich das fast gar nicht mehr machen. Richtig fließend sprechen, ohne ab und zu über Vokabular nachzudenken, kann ich noch nicht. Dafür ist es auch noch zu früh. Aber ich würde mal behaupten, dass ich immer spontaner werde im Antworten und auch mein british english rückt immer mehr in den Hintergrund und wird von dem american english abgelöst. Ab jetzt wird das can't eben nicht mehr "kaahnt" ausgesprochen sondern "käähnt". Ich freue mich außerdem schon sehr auf den Morgen, wenn ich aufwache, und Fabienne von meinem ersten englischen Traum erzählen kann!

Und wo wir es gerade von der Sprache haben... Ich wurde vor kurzem von einem Amerikaner gefragt, ob ich ihm ein bisschen Deutsch beibringen könnte. Er liebt Deutschland und war auch schon einige Male dort. Also haben Fabienne und ich ihn kurzerhand zum Mittagessen eingeladen. Bevor es Essen gab, haben wir uns dann zusammen gesetzt und in einem von ihm mitgebrachten Buch gelesen. Dieses Buch ist wie eine Art Reiseführer für Deutschland, allerdings ein sehr altes Modell. Es war aber total cool darin zu lesen und zu sehen, welche Orte in diesem Buch den Amerikanern besonders empfohlen werden. Auch Freiburg steht drin und mir wurde wieder einmal bewusst, wie viel Glück ich habe, in so einer schönen Stadt zu leben! Ein großes Highlight für die Amerikaner sind natürlich ganz klar unsere alten, zerfallenen Burgen, Schlösser und Denkmäler- einfach weil sie die in Amerika nicht haben. Eine der letzten Seiten in diesem Buch möchte ich euch nicht vorenthalten und habe deshalb ein Foto davon gemacht. Auf dieser Seite sieht man, wie die Amerikaner mit Hilfe von Lautschrift Deutsch lernen. Ich fand's total lustig!

  :D :D :D

Jetzt möchte ich euch noch von letztem Sonntagvormittag erzählen. Und zwar ging es da zum ersten Mal an's Meeeeer! Rein zufällig hatte ich heraus gefunden, dass wir nur anderthalb Stunden bis zum Meer fahren und zwar nach New Haven. Und so entschieden Fabienne und ich relativ spontan, dass wir dort hinfahren wollen. Gesagt, getan. Am Sonntagmorgen packten wir uns warm ein (ein großes DANKE nochmal an meinen Familie, dass ihr mir meine Winterklamotten geschickt habt! :-)) und dann fuhren wir los. Die Stimmung im Auto war super, obwohl es an diesem Tag ziemlich kalt war und auch geregnet hat. Doch wir ließen uns davon die Stimmung nicht verderben und kamen schließlich an unserem Ziel an.

HAPPY GIRLS 

Auch wenn unser Auflug nicht allzu lang war, da ich um 15 Uhr wieder arbeiten musste, hat es sich mehr als nur gelohnt! Wir freuen uns schon darauf, nochmal dort hin zu fahren, und dann vielleicht bei Sonnenschein und blauem Himmel!

Als letztes jetzt nochmal ein bisschen was zum Schmunzeln. Es gibt tatsächlich einige Dinge, die sich die Amis von uns Europäern abgucken (oder es zumindest versuchen). Beispielsweise gibt es in manchen Supermärkten Regale die mit "European" gekennzeichnet sind.

In diesem Regal hier findet man beispielsweise Sachen wie Sellerie Salat, Frühlingszwiebeln, Essiggurken oder auch Sauerkraut. Unsere Black Forest Cake (Schwarzwälderkirschtorte) ist hier ebenfalls sehr berühmt, doch ich bin mir sicher, dass sie nicht mal ansatzweise an die Torte meiner Oma ran kommen kann. Und auch die Gummibärchen schmecken hier einfach nicht so gut wie Zuhause. Deshalb habe ich mich so darüber gefreut, dass in dem Paket von meiner Familie, auch ein paar Päckchen Gummibärchen dabei waren.

Glücksmoment hoch 100

Soviel zu den letzten Tagen. Ich hoffe wie immer, dass es interessant war und freue mich über Eure Kommentare! Vielen Dank auch noch für die lieben Kommentare unter meinem letzten Eintrag, das hat mich sehr gefreut!

Jetzt seid ihr wieder auf dem neusten Stand! :-)

Fühlt euch umarmt,

eure Theresa

13Sept
2016

Trump Wahlschilder in der Nachbarschaft und vieles mehr

Hey there!

Vor mittlerweile ein bisschen mehr als einem Monat bin ich mit Fabienne in Stanton Home angekommen. Vor circa einem Monat lag noch so viel Ungewissheit und auch Angst in der Luft. Vor circa einem Monat ging für mich das Abenteuer USA los. Und jetzt stecke ich schon mitten drin!

Echt unglaublich wie schnell die Zeit verfliegt. Eindeutig ein Zeichen dafür, dass ich mich hier wohlfühle und gar nicht viel Zeit habe darüber nachzudenken, wie es wäre, jetzt meine Familie bei mir zu haben oder in meinem gewohnten Umfeld zu sein. Die Ungewissheit hat sich in Zuversicht und Vorfreude verwandelt und Angst habe ich gar keine mehr. (Höchstens vor dem Bär, der hier momentan durch die Gegend streift, und die Leute ein bisschen beunruhigt...) Ich habe das Gefühl, ich bin jetzt wirklich angekommen. Und ich bin froh, die Entscheidung hier her zu kommen, getroffen zu haben.

Ein wichtiger Grund, wieso ich mich hier so wohlfühle, ist Fabienne. Ich habe mit ihr die beste Mitbewohnerin, die man sich nur vorstellen kann und es ist unglaublich, in was für einer kurzen Zeit man so dick befreundet sein kann, wie ich es mit ihr bin. Sie bringt mich täglich so oft zum Lachen und ist aber genauso für mich da, wenn ich mal einen kurzen Durchhänger hab. Diese Durchhänger sind aber wirklich nicht der Rede wert und oft handelt es sich nur um ein kurzes geknickt sein, wenn man eine ganz besonders liebe Nachricht von der Familie oder einem Freund erhält... Wir muntern uns in diesen Situationen dann immer wieder gegenseitig auf, und dann ist kurz darauf auch wieder alles in Ordnung und wir lachen wieder.

Wie ihr seht, sind wir ein super Team und ich habe sie sehr, sehr gern. Da wir nicht viele Arbeitsschichten zusammen haben, sehen wir uns oft erst Abends, und dann freue ich mich immer, sie wieder zu sehen.

Fabienne wird mich dafür verfluchen, dass ich das Bild hochgeladen hab, aber ja.. es zeigt einfach perfekt, wie gut wir uns verstehen! :D (Sorry Fabienne <3)

Jetzt möchte ich euch gerne von unserem Ausflug zu einer Messe letztes Wochenende erzählen. Es war für mich der erste große Ausflug mit den guys zu einer Messe und es war wirklich eindrücklich. Ziemlich viele "typical-american-things" konnten bestaunt werden, wie zum Beispiel die Fahrgeschäfte oder auch das Essen. Zu den Fahrgeschäften lässt sich nur sagen: Falls dir dein Leben lieb ist, steig nicht in diese rostigen und quietschenden Höllenmaschinen ein! Mir wurde schon vom Zuschauen schlecht! Da bevorzuge ich auf jeden Fall unseren Europa-Park, wo ich davon ausgehen kann, dass alles unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig überprüft und gewartet wird. Trotzdem hatten wir eine von unseren residents dabei, die solche Fahrgeschäfte über alles liebt und direkt drei verschiedene hintereinander gefahren ist.

Mit diesem Link, könnt ihr euch ein Video von so einem Fahrgeschäft anschauen, dass ich auf der Messe gefilmt habe: https://www.dropbox.com/s/erkdf8czqtj5c6p/VID_20160903_120830.mp4?dl=0

Zum Mittagessen gab's dann Burger. Unter einem amerikanischen Burger hatte ich mir allerdings was anderes, spektakuläreres vorgestellt. Uns wurde nämlich lediglich der Hamburger im Brötchen verkauft und eine Tube Ketchup in die Hand gedrückt. Kein Salat, keine Tomaten, keine fettige Soße- nichts von dem war auf dem Burger. Das war schon irgendwie entttäuschend. Doch der Nachtisch hat das dann wieder wett gemacht. Unsere Hausmama von unserem Haus in Connecticut, die mit zur Messe kam, hatte uns nämlich gefragt, ob wir schon mal "deep fright oreo" probiert hatten. Als wir das stirnruzelnd verneinten, war sie entsetzt und und eilte direkt zu einem Stand auf der Messe, der nach ungesundem, aber leckeren Essen aussah. Zurück kam sie dann mit beiden Händen voller Essen und stellte uns stolz vor, dass sie uns soeben deep fright oreo gekauft hat. Und dann hielten wir die frittierten (!) Oreo Kekse in der Hand und ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte. Wie erwartet schmeckte diese Kombination dann unglaublich süß, aber (leider) auch ziemlich gut. Durch dieses Probieren der deep fright oreo's, fand ich dann heraus, dass die Amerikaner sehr gerne alles frittieren. Beispielsweise auch Mars Schokoriegel, Eier oder auch Butter. Das ganze wird dann oft mit Puderzucker bestreut und der Geschmack von dem frittierten Teig erinnert mich an die Striebeli vom Freiburger Weihnachtsmarkt.

Apropos Weihnachtsmarkt- nachts kühlt es hier wirklich schon winterlich ab, sodass ich gestern morgen sogar das erste Mal die Heizung im Auto angemacht habe. Aber spätestens Mittags, kommt dann eigentlich immer die Sonne raus, sodass es dann wieder warm wird. Fabienne und ich müssen uns jetzt dann aber wirklich mal auf den Weg machen, um uns noch vor dem Kälteinbruch eine Winterjacke und Winterschuhe zu kaufen! Doch das schieben wir genauso gerne vor uns her, wie das Staubsaugen unseres Zimmers... :D

Hier seht ihr noch ein paar Bilder, die auf der Messe entstanden sind:

Selfie mit unserer Hausmama links und Lily  Gruppenfoto! Na, welche von den residents erkennt ihr wieder, nach meinem letzten Blogeintrag? Vorne rechts sitzt Sandra, die in unserem Haus in Connecticut wohnt, und von der ihr bisher noch kein Bild gesehen habt. Ich, Lily und Fabienne :)

Lily am Lachen, weil sie sich in der Kamera sieht Dieses Monster wollte ich euch nicht vorenthalten. Ich habe es auf dem Rückweg von der Messe nach Hause fotografiert. Man beachte das normal große, rote Auto dahinter .. dadurch kann man sich vorstellen, wie groß dieses Auto ist.

Eine letzte Sache möchte ich gerne noch zu der Messe loswerden, einfach weil mich das so verstört hat. In Amerika ist es üblich, dass auch immer für tierische Highlights auf Messen gesorgt wird. Die Veranstalter dieser Messe, haben neben Ziegen, Kamelen, Lamas und Pferden, sogar ein Zebra, ein Känguru und einen Gepard bringen lassen. Diese Tiere waren auf engstem Raum eingepfercht und zwischen den Käfigen, können die Menschen dann durchlaufen und die Tiere betrachten. Ich habe dort kein Wasser gesehen und es war einfach traurig, in die leeren Augen dieser Tiere zu blicken. All diese Tiere sind normalerweise auf Auslauf angewiesen, doch während der Messe, die einige Tage wenn nicht sogar Wochen andauert, leben die Tiere in diesen Käfigen- einfach damit die Menschen was zu gucken haben. Ich bekomme ja schon zu viel, wenn ich in Deutschland sehe, wie auf einer lauten und mit Menschen vollgestopften Messe Ponyreiten angeboten wird. Aber einen Gepard für mehrere Tage in einen 2x2m Käfig zu stecken, das ist nochmal eine andere Nummer. Soviel zu der Messe.

Eine weitere weniger erfreuliche Nachricht ist, dass wir hier in Canaan tatsächlich Menschen in der Nachbarschaft haben, die Trump Anhänger sind. Es sind zum Glück nicht viele, aber sie sind da. In Deutschland schüttelt man den Kopf über die Naivität dieser Menschen und jetzt wohnen einige dieser Menschen gar nicht weit weg von mir. Aber (und dieses 'aber' ist wichtig), es sind wirklich die berühmten Ausnahmen. Insgesamt ist die Mehrheit der Menschen in dieser Gegend so klug, Trump nicht zu wählen und das ist beruhigend zu wissen. Es gibt nun mal immer einige Menschen, die so eingeschränkt in ihrem Denken sind, dass sie nicht sehen, welche Gefahr von Trump ausgeht, falls er Präsident wird. Ach so und falls ihr euch fragt, woher ich weiß, dass es hier Trump Anhänger gibt: Vor fast jedem Haus hier, findet man derzeit ein Wahlplakat (wie ihr es unten auf dem Foto seht) vor.

Außerdem habe ich von einem Freund, der momentan auch in den USA lebt (allerdings in einem südlicheren Bundesstaat) ein Foto zugesendet bekommen, von einem Trump Werbespot im YouTube. Falls ich neue Entdeckungen oder auch Gespräche über dieses Thema mache beziehungsweise aufgreife, werde ich es euch gerne berichten, wenn eurerseits Interesse da ist!

  Trump Wahlplakat im VorgartenTrump Werbespot

Um den Blog jetzt aber mit einer positiven Sache abzuschließen, möchte ich euch von einem Moment erzählen, den ich gestern mit Lily erlebt habe und der mich sehr glücklich gemacht hat. Als ich gestern an der Farm angekommen bin, hat sie gerade ihr Lieblingsspiel "Connect 4" (bei uns in Deutschland: Vier gewinnt) gespielt. Als ich mich dann zu ihr gesetzt habe und sie mich erkannt hat, hat sie mich angelächelt. Es war kein breites, auffälliges Lächeln aber es war da und das Besondere an diesem Lächeln war, dass es das aller erste Lächeln war, dass Lily mir geschenkt hat, seitdem ich hier bin. Diesen Moment werde ich nie wieder vergessen! Und ist es nicht unglaublich, was für eine Bedeutung so eine kleine, eigentlich alltägliche Geste für mich haben kann? Gelächelt wird hier viel den ganzen Tag, aber es ist einfach was ganz anderes, wenn es von einer Person kommt, die so selten lächelt. Ich konnte mir sicher sein, dass es ein echtes Lächeln war. Es war ein wahnsinniges Gefühl.

Mit diesem Abschluss von meinem heutigen Eintrag wünsche ich euch allen, dass ihr heute auch noch ein echtes Lächeln geschenkt bekommt!

Ich wünsche euch eine gute Zeit, macht's gut!

Eure Theresa

 

30August
2016

Mehr über Lily, Vorstellung der anderen residents und das Essen hier

Heellloo!

Nach nun schon 3 Wochen in Stanton Home, hier jetzt der nächste Blogeintrag für euch. Zuerst einmal möchte ich mich für die lieben Kommentare unter meinen letzten beiden Einträgen bedanken! Es freut mich sehr, dass euch die Einträge gefallen und es euch interessiert, was ich hier erlebe! :)

Mittlerweile habe ich mich hier so gut eingelebt, dass sich jetzt schon eine Art Routine für mich entwickelt hat, was die verschiedenen Abläufe angeht, sodass ich nicht mehr bei jeder Kleinigkeit nachhaken muss, wie ich das machen soll oder wo ich bestimmte Sachen finde. Das ist wirklich eine Erleichterung, weil man durch die neu gewonnene Selbstständigkeit viel unabhängiger wird und es einem auch das Gefühl gibt, keine einzuarbeitende Last mehr zu sein.

Das heißt aber nicht, dass ich mich schon bei allem was ich mache, sicher fühle. In vielen Situationen bin ich nach wie vor sehr froh, einen anderen Freiwilligen an meiner Seite zu haben. Beispielsweise erst gestern Nachmittag gab es eine von diesen Situationen. Ich wollte mit Lily ins Badezimmer gehen, weil sie selber nicht weiß, wann es Zeit ist zu gehen. Den Weg bis zur Badezimmertür haben wir sogar alleine gehen können. (Sogar schreibe ich deshalb, weil es nicht ungewöhnlich ist, dass sie sich einfach wegdreht und wegrennt). Doch vor der Tür war dann Schluss mit mitlaufen. Sie fing an ihre typischen Kreise auf der Stelle zu laufen und weigerte sich, ins Badezimmer zu gehen. In diesen Momenten muss man geduldig sein und einfach abwarten. Doch ich wusste, wie dringend es in dem Moment war, und versuchte deshalb, sie bestimmt, aber liebevoll ins Badezimmer zu bewegen. Ihre Reaktion: Sie setzte sich auf den Boden. Da ich wusste, wie schwierig es ist, sie jetzt wieder zum Stehen zu bekommen. setzte ich mich einfach mit ihr auf den Boden. Tja und dann saßen wir da ca. 20 Minuten, bis ich ein Stockwerk unter mir Schritte hörte. Eine der anderen Freiwilligen war gerade auf dem Weg in ihr Zimmer und als ich sie zu mir rief, kam sie um mir zu helfen. Als Lily die andere Freiwillige sah, stand sie sofort auf. Das darf man dann nicht persönlich nehmen, denn manchmal braucht es in diesen Situationen einfach eine andere Person, und schon kann man dort weitermachen, wo man (bzw Lily) vorher aufgehört hatte.

In den letzten Tage bin ich auf vielen Spaziergängen mit Lily gewesen, und das sind bis jetzt die schönsten Momente gewesen, die ich mit ihr erleben durfte. Wenn wir nämlich auf einem dieser Spaziergänge sind, dann hält man Händchen mit ihr. Und als ich das das erste Mal mit ihr gemacht habe, war das ein ganz großes Glücksgefühl für mich. Es gibt einem das Gefühl von Nähe und Vertrautheit und in diesen Momenten, werden alle anderen, schwierigen und aufreibenden Situationen mit ihr einfach ausgeblendet.

In diesem Eintrag möchte ich jetzt aber auch gerne mal auf die anderen guys in der Farm (unser Haupthaus) und dem Orchad House (ebenfalls ein außerhalb liegendes Haus, wie unser Haus in Connecticut) eingehen. In der Farm leben vier guys.

Als erstes wäre da Justin. Justin ist sowohl geistig behindert, als auch körperlich, weswegen er im Rollstuhl sitzt. Wenn man Justin begrüßt, dann möchte er immer, dass man ihm die Hand gibt, um dann den Handrücken zu küssen. Total süß! Er liebt es, in Automagazinen zu lesen und interessiert sich sehr dafür, ob ein Auto automatisch gefahren wird, oder ob es eine Schaltung hat. Als ich ihm erzählt hab, dass unser Auto zuhause ein Ford ist und fünf Gänge hat, war er völlig von den Socken. Ford ist nämlich seine Lieblingsautomarke und er kennt hier in Amerika ja keine Autos mit Gangschaltung. Aufgrund von Justins Behinderung ist er fast stumm, und deshalb macht sich seine Begeisterung nur durch seine Gesichtsausdrücke bemerkbar und das war in diesem Moment das breiteste, stumme Lachen, was ich je gesehen habe.

Justin an der 30. Jubiläumsfeier von Stanton Home

Der zweite männliche guy heißt John und ist wie unsere Sandra von Connecticut nur leicht geistig behindert und somit recht selbständig in seinem Handeln. Wenn man mit ihm ein Lied anhört, dann versucht er immer mitzusingen, indem er die Wörter wiederholt, die man am besten heraus hören kann. Das selbe gilt beispielsweise auch für die Begrüßung. Wenn man ihn begrüßt mit "Hey Johnny", dann kommt immer ein "Joohnny" von ihm zurück. Er gehört zu den Menschen, deren bloße Anwesenheit mich zum Lächeln bringen. Eine seiner Lieblingsbeschäftigung, neben Schwimmen, ist Schaukeln, und dort findet man ihn häufig, wenn er nicht gerade im Haus auf der Couch sitzt, und Leute beobachtet. Achja und noch eine letzte Bermerkung zu John: Es ist sehr wichtig, Schokolade und Sonnenbrillen vor ihm zu verstecken. Schokolade findet er ÜBERALL- inklusive in den Zimmern der Freiwilligen- um sie dann aufzuessen, und Sonnenbrillen spült er leidenschaftlich gerne im Klo runter! :D Ich hatte meine mal in der Farm liegen gelassen, und mir schon ausgemalt, wie sie von John ins Klos geworfen wird, doch ich hatte Glück, denn eine der Freiwilligen hat sie gefunden, und an einen sicheren Platz gelegt. Puuh!

Joohnny

Und dann leben noch zwei Frauen in der Farm: Maggie und Lisa. Maggie hat mich direkt am ersten Tag nach meiner Ankunft umarmt und mich als ihr neue Freundin vorgestellt. Sie ist ebenfalls geistig behindert, aber im Sprechen nur leicht eingeschränkt, sodass man sie ganz gut verstehen kann. Maggie ist die liebesbedüftigste Person die ich hier bisher kennen lernen durfte, und sie umarmt gerne stundenlang alle Menschen in ihrem Umfeld. (Was im Übrigen auch total süß aussieht, da Maggie sehr klein ist.) Vor allem die männlichen Freiwilligen haben es ihr angetan. Aber auch ich hatte sie gestern lange im Arm, da Lea, die Freiwillige aus Deutschland, die mich und Fabienne "eingearbeitet" hat, wieder zurück nach Deutschland geflogen ist. Das sind immer sehr schwere Tage für die guys hier, da sie in regelmäßigen Abständen einen neu gewonnenen Freund verabschieden müssen. Doch als Lea dann weg war, erklärte Maggie mir, dass sie ja noch ganz viele Freunde hier hat und dass ich auch ihre neue Freundin bin. Daraufhin folgte dann wieder eine lange Umarmung, die mich sehr glücklich machte.

Maggie bei einem Sportevent

Die zweite Frau, Lisa, hört nicht mehr so gut wie die anderen residents und trägt deshalb ein Hörgerät. Wenn man verstehen will, was sie sagt, muss man sich ziemlich konzentrieren. Um ihr Sprechen zu unterstützen, benutzt sie deshalb oft Gebärdensprache. Ich bin gerade dabei das zu lernen, und kann mittlerweile schon meinen Namen und "Ich liebe dich" in sign language darstellen. Lisa ist ebenfalls eine total liebenswerte Hausbwohnerin, die man mit einem einfachen "Beep Beep", wenn sie mit ihrer Gehhilfe angelaufen kommt, zum Lachen bringen kann. Außerdem verschlingt Lisa Bücher in einem Tempo, an das nicht mal ich (in den Zeiten bevor ich Whatsapp hatte..), ran kommen kann. Entsprechend freut sie sich immer sehr, über neue Bücher, die sie regelmäßig geschenkt bekommt.

Lisa an ihrem Geburtstag

Im Orchad House leben dann noch drei weitere guys. Jared ist erst 22 Jahre alt und damit der Jüngste in Stanton Home. Er geht noch zur integrativen High School und nimmt deshalb nicht oft am daily program teil. Das ist auch der Grund, weshalb ichbisher nicht viel über ihn sagen kann. Außer eine Sache: Er liebt es Aufmerksamkeit zu bekommen und steht sehr gerne im Mittelpunkt. Ich freue mich schon, mehr über Jared zu lernen, sodass ich hier bald noch mehr zu ihm schreiben kann...

(Ein Bild wird noch hinzugefügt...)

Vicky ist die einzige Frau im Orchad House und bekannt dafür, dass sie alles, was sie macht, in einem Affentempo erledigt. Das fängt damit an, dass sie ihr Essen runter schlingt, dass sie jeden Satz, den sie sagt, ca drei mal schnell hintereinander wiederholt, oder auch, dass sie ihre Fotoalben in einem Tempo durchblättert, dass man kaum eine Ahnung davon bekommt, was sie da eigentlich für Fotos anschaut. Auch beim Wandern läuft sie meistens vorne, und eine Pause kommt für sie nicht in Frage. Sie neigt also ganz stark dazu, alles viel zu schnell anzugehen und gönnt sich zu selten eine Auszeit. Sie spielt richtig gut Basketball, da sie das so gut wie jeden Tag bei der Farm spielt, und stellt die meisten Freiwilligen mit ihrem Talent in den Schatten... mich mit eingeschlossen.

Links ist Vicky zu sehen, rechts eine ehemalige Freiwillige

Jim, der Letzte im Bunde, liebt es ebenfalls wandern zu gehen- allerdings macht er das auch ab und zu unerlaubterweise alleine. Denn Jim ist der größte Ausreißer von Stanton Home. Eine Sekunde nicht aufgepasst, und schon ist er weg. Das führte schon zu gefährlichen Situationen, in denen er erst nach einer Stunde wieder gefunden wurde und aufgrund einer Dehydrierung erst mal vom Notarzt versorgt werden musste. Jim läuft die meiste Zeit mit dem Kinn auf der Brust durch die Gegend, was beispielsweise das Essen erschwert, da es dann oft eine Weile dauert bis er beginnt zu essen, da er dafür seinen Kopf heben muss. Nicht selten kam es schon vor, dass er beinahe seinen Kopf in den Teller gehängt hat. Was Jim ganz toll kann, sind Gedichte schreiben. Und zwar wirklich ziemlich gute! Sprechen tut er selten, wenn überhaupt flüstert er ganz leise, sodass man sein Ohr direkt vor seinen Mund halten muss, ansonsten hat man keine Chance ihn zu verstehen.

Jim (rechts) in seiner üblichen Haltung (ein leider etwas älteres Bild vom letzten Winter)

Wie ihr seht, ist es eine ganz tolle Gruppe von unterschiedlichen Menschen mit denen ich hier ein Jahr lang arbeiten darf und alle sind auf ihre Weise besonders. Ich freue mich schon sehr, diese Menschen noch besser kennen zu lernen und mehr über sie zu erfahren! Bei dieser bunten Gruppe wird mir garantiert nicht so schnell langweilig werden.

Bilder von unseren drei guys hier in Connecticut werde ich im nächsten Blog hochladen, da ich die auch erstmal noch zusammen suchen muss...

Zum Schluss möchte ich jetzt gerne noch auf das Essen eingehen. Wir essen hier fast ausschließlich organic food (also Bio). Zum Frühstück gibt es entweder Obstsalat, Pancakes, selbstgebackenes Brot, Müsli, French Toast, Oatmeal oder Rührei. Frenchtoast wird ganz einfach zubereitet in dem man den Toast in eine Eier-, Milch-, Zimtmischung wendet und dann in der Pfanne kurz angebrät. Oatmeal ist nichts anderes als Haferbrei und wird hier meistens auch mit Früchten zusammen gekocht.

Kleiner Snack für zwischendurch... Nüsse, getrocknete Früchte, Haferflocken, Leinsamen.. und vieles mehr! #sehrgesund

Zum Mittag- und Abendessen gibt es IMMER Gemüse (zur Zeit fast jeden Tag Zuchini, weil der gerade ohne Ende im Garten wächst), mit Reis, Polenta, Kartoffeln oder manchmal auch Nudeln. Fleisch gibt es sehr selten und wenn, dann nur das eigene Fleisch von der Farm. Das ist auf der einen Seite toll, weil man dann genau weiß, dass es sich um sehr gutes Bio-Fleisch handelt, aber auf der anderen Seite kann es auch gut passieren, dass man das Schwein was man am Mittag auf dem Teller hat, am Tag vorher noch auf der Weide gesehen hat... Das ist auch der Grund für viele Freiwillige hier gewesen, Vegetarier zu werden. Ich bin gespannt, ob ich aus diesem Grund eventuell auch bald auf das Fleisch verzichten werde... mal gucken. Im Allgemeinen neigen die Amerikaner jedenfalls dazu, wenig bis gar keine Gewürze zu benutzen. Auffällig beim Essen ist dann immer, dass die ganzen Leute aus Europa nochmal ordentlich Salz auf ihr Essen geben. :D

Das Essen hier in Amerika ist ein bisschen teurer als in Deutschland. Vor allem für Obst und Gemüse (Hallo Vorurteil!) zahlt man hier wirklich um einiges mehr. Eine Paprika kostet z.B. 2,99$! Was die Auswahl und Vielfalt angeht, stimmt alles, was man schon aus den amerikanischen Filmen kennt. M&M's findet man hier beispielsweise in mindestens acht veschiedenen Sorten vor! Generall ist das Süßigkeitenangebot rießig und man muss aufpassen, dass man sich da nicht verführen lässt, sonst bringt auch die ganze gesunde Ernährung während der Arbeit nichts mehr. :D

Mini Rainbow Frogs!

Soviel für heute! Ich hoffe, es war interessant und ich konnte euch einen guten Gesamtüberblick über die anderen residents geben.

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit! BIs bald!

Eure Theresa

 

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